Fileshare-Netze stehlen Provisionen
Überraschende Einblicke in die Businessmodelle von Fileshare-Programmen wie Kazaa, Morpheus, Lime Wire oder BearShare gibt die nun bekannt gewordene Praktik der Unternehmen, sich für ganz andere Unternehmen vorgesehene Umsatzbeteiligungen unter den Nagel zu reißen.
Die von vielen Millionen Usern weltweit installierten Programme [und der Gebrauch derselben] sind in der Regel kostenlos. Die Nutzer tauschen mit ihrer Hilfe untereinander Dateien, beispielsweise MP3s.
Oftmals unbemerkt wird mit den Fileshare-Programmen selbst noch andere Software mitinstalliert, was bereits in der Vergangenheit für Unmut gesorgt hat. Doch bisher hatten diese Beigaben in der Regel keine direkten finanziellen Schäden angerichtet.
Spionage-Programm
StreamCast, Vertreiber der File-Sharing-Software Morpheus und
Betreiber des Musikportals MusicCity, installiert gemeinsam mit der
Morpheus-Software auch ein Marketingprogramm, das Informationen über
die Surfgewohnheiten der User sammelt.
Morpheus spioniert seine User ausDas US-Technologieunternehmen Brilliant Digital Entertainment will mit einer eigenen Software die PCs der KaZaA-User für Network-Storage, Distributed Computing und Network-Services erschließen.
Software heimlich in KaZaA verstecktGeldgier
Wie jetzt entdeckt wurde, ziehen die Vertreiber der Peer-to-Peer [P2P] Software auch direkt Geldströme an sich, die eigentlich ganz anderen Unternehmen zustehen. Die mitinstallierten Programme gaukeln diversen Onlineshops [wie zum Beispiel Amazon] vor, dass der vom User getätigte Kauf durch das P2P-Unternehmen in die Wege geleitet worden sei.
In der Folge fließt die entsprechende Provision an das P2P-Unternehmen - sogar dann, wenn der konkrete Umsatz durch eine ganz andere Firma angeregt oder gar abgewickelt wurde.
Der tatsächliche "Makler" fällt um seine Provision um und erleidet konkrete finanzielle Nachteile. Manche Konsumenten suchen gezielt Sites von gemeinnützigen Organisationen auf und tätigen über diese Onlinebestellungen, im Glauben, dadurch einem guten Zweck zu dienen.
Dabei täuscht unwissentlich installierte Software oft dem Händler einen anderen "Empfehler" vor..
Umsatzbeteiligung sind florierendes Business
Amazon hat nicht weniger als 800.000 Partner-Sites
["Affiliates"], über die Kunden zu Amazon "geleitet" werden. Manche
verdienen allein durch die Kommissionen mehrere 10.000 USD
monatlich, haben aber in den letzten Monaten deutliche
Umsatzeinbrüche feststellen müssen. Nach Angaben von Amazon
verstoßen die entdeckten Praktiken gegen die
Affiliate-Vertragsbedingungen.
Amazons "Operation Agreement"Reaktionen der Händler
Als erste Reaktion haben einige Olineshops, darunter Amazon, sofort die Auszahlung von Provisionen an Morpheus gestoppt.
Der Manager des Hardware-Händlers "TigerDirect" berichtete der NY Times, er hätte das Abkommen mit Morpheus vor einiger Zeit ausgesetzt, woraufhin die Software geändert worden sei und er wieder Provisionen ausgeschüttet habe.
Vor kurzem aber seien die angeblichen Morpheus-Umsätze explodiert, während gleichzeitig viele andere Partner deutliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen gehabt hätten. Deshalb habe er Morpheus wieder "blockiert".
EULA
Die profitierenden Betreiber der Filesharing-Netzwerke verweisen
darauf, dass die User während des Installationsvorganges
entsprechenden Vertragsbestimmungen zugestimmt hätten und daher
alles legal sei. Obwohl tatsächlich entsprechende Hinweise in den
EULAs [End User Licence Agreements] enthalten sein dürften, sind
manche Rechtsexperten der Ansicht, dass dies nicht ausreiche, um die
Irreführung der Nutzer zu Rechtfertigen.
Morpheus-Site ist ohne HinweisWidersprüche
Einige der Hersteller der umstrittenen Software haben jetzt angekündigt, diese umzuschreiben und sprechen von einem Versehen.
Unabhängige Programmierer, die ein solches Programm untersucht haben, aber auch Mitarbeiter eines Herstellers sprechen hingegen davon, dass die entsprechenden Routinen absichtlich programmiert worden seien.
Konkurrenzkampf
Avi Naider, CEO von WhenU [Lieferant der "Umleitungssoftware" für
Kazaa und BearShare], zeigte gegenüber der NY Times keine Reue.
Seine Software verschaffe seinen Kunden Einnahmen, welche es diesen
ermögliche, die P2P-Programme kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Alle Sites, die durch Umsatzprovisionen Geld verdienen wollten,
seien direkte Konkurrenten von Kazaa und co.
WhenUDeinstallation nutzlos
Für zusätzlichen Ärger bei vielen Usern sorgt auch der Umstand, dass die Provisionen selbst dann weiterhin an die falsche Adresse fließen, wenn man das P2P-Tool längst deinstalliert hat.
Die "Umleitungssoftware" muss nämlich extra entfernt werden, eine Entfernung der Filesharing-Software bringt diesbezüglich nichts.
Deinstallationsbeispiele für Windows
Um Buyersport [die entsprechende Software von Morpheus] auszuschalten, muss eine Datei namens "mbho.dll" aus dem System gelöscht werden. LimeWire- und Kazaa-Nutzer können über die Systemsteuerung das Programm "Limeshop" beziehungsweise "Savenow" deinstallieren.
