SAP fürchtet feindliche US-Übernahme
Der Walldorfer Softwarehersteller SAP hat auf einer Betriebsversammlung unlängst ein düsteres Bild von der Zukunft des Unternehmens gezeichnet und indirekt weitere Entlassungen angekündigt:
"Wir haben wenig Perspektiven, falls SAP nicht wie geplant im Jahr 2002 schwarze Zahlen schreibt", so Vizechef Henning Kagermann am 13. September bei einer Ansprache vor der Belegschaft.
Wenn es dem Unternehmen nicht gelänge, den Aktienkurs zu erhöhen, würden notwendige Übernahmen in der sich konsolidierenden Branche nicht möglich sein.
Eine SAP-Sprecherin hat den Bericht bestätigt, jedoch erklärt, dass kein Stellenabbau in größerem Umfang geplant sei. 12.600 der insgesamt 29.354 Beschäftigten arbeiten in Deutschland. Der IT-Berater SAP SI aus Dresden will bereits 150 Arbeitsplätze abbauen.
Q2 2002: Rote Zahlen bei SAPBrutstätte für Übernahmen
"Der Markt ist gegenwärtig eine Brutstätte für Übernahmen, die IBM und Microsoft betreibt", so Kagermann weiter. "Momentan ist SAP aber nicht so flexibel wie die Konkurrenz."
Microsoft hatte die Softwarehäuser Navision und Great Plains übernommen und wird zur Branchenmesse Systems im Oktober in München erste betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware für kleine und mittelständische Unternehmen in einem neuen Geschäftsbereich vorstellen.
"Falls eine amerikanische Firma SAP übernehmen könnte, würden wir unsere Unabhängigkeit und unsere Unternehmenskultur verlieren", klagte Kagermann weiter.
Analysten gehen jedoch davon aus, dass SAP für eine Übernahme viel zu groß ist. "Die Geschäftsleitung will die Belegschaft einfach psychologisch auf einen bevorstehenden Aderlass vorbereiten", so eine Stimme aus der Belegschaft gegenüber "de.internet.com".
