25.09.2002

POSER

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US-Regierung als "zahnloser" Netz-Sheriff

Seit dem 11. September 2001 zeichnet die US-Regierung ein fast apokalyptisches Bild über die Möglichkeit einer Terrorattacke über das Internet:

Terroristen könnten demnach in die Rechner von Wasserwerken eindringen und die Schleusen von Staudämmen öffnen oder gar die Steuerung von Atomkraftwerken übernehmen und damit eine Katastrophe auslösen. Gegen diese Gefahr müssten Regierung, Industrie und Bürger gemeinsam entschlossen vorgehen, fordert das Weiße Haus.

Nun, über ein Jahr später, liegt der mit Spannung erwartete Entwurf zur "Verbesserung der Internet-Sicherheit" vor, und nach Ansicht von Kritikern dürften die "zahnlosen" Vorschläge kaum gegen die befürchteten Attacken Schutz bieten - oder sie zeigen, dass die Befürchtungen niemals ernst gemeint waren.

Industrie aus der Schusslinie

Die Regierung schultere in dem Entwurf, der nun 60 Tage diskutiert werden soll, vor allem den privaten Nutzern die Bürde auf, lautet die Kritik an dem Papier weiter.

Noch vor kurzem sah dies ganz anders aus. So hatte sich der Technologie-Berater des Weißen Hauses, Richard Clarke, in einem Interview darüber empört, dass kaum jemand die privaten Nutzer vor einem Hackerangriff schütze: "Als Verbraucher wäre ich fuchsteufelswild, dass mich mein PC-Verkäufer, mein Internet-Provider und die Hersteller meines Betriebssystems und meiner Anwendungssoftware so verwundbar lassen ...", schimpfte Clarke.

Doch als Clarke jetzt den Entwurf für einen verbesserten Schutz des Internets gegen Hacker und Terroristen vorlegte, gab er der PC-Industrie und den großen Providern wie AOL nach Einschätzung von Experten einen Freibrief.

Unverbindlich und kostenlos

Prinzipiell wird die Industrie in Clarks Plan nur mit ein paar netten Worten bewogen, mehr für die Sicherheit zu unternehmen. Neue Gesetze oder Regeln will das industriefreundliche Weiße Haus vermeiden, um den ohnehin gebeutelten Internet-Firmen keine neue Kosten aufzubürden.

So bleibt der Plan, der ohnehin nur wenig Konkretes bietet, ohne Durchsetzungskraft: "Er hat keine Zähne", urteilt der kalifornische Sicherheitsexperte Steven Kirschbaum. Ohne neue Gesetze oder Strafandrohung stelle der Entwurf nur eine "eine nette Presseerklärung" dar.

Heiße Luft ist harmlos

Von dem Plan beruhigt zeigten sich - ausnahmsweise - Datenschützer. Da er kaum Konkretes enthält, müssen sie sich auch kaum Sorgen machen. Der Plan sei kein Frontalangriff auf die Bürgerrechte, urteilt Chris Hoofnagle vom Electronic Privacy Information Center.

Die Bürgerrechtler hatten bisher mit die stärksten Bedenken gegen den Plan. Sie fürchteten, dass persönliche Daten leichter weitergegeben werden könnten.