Der Siegeszug der digitalen Filmproduktion
In Interviews zum US-Kinostart von "Full Frontal" erklärte der Regisseur Steven Soderbergh, dass er schon während der Dreharbeiten zu seinem Erfolgsfilm "Traffic" den Plan gefasst hätte, einen Film auf Digital Video zu drehen und dass sein Interesse an den neuen Formen der digitalen Filmproduktion damals von der Zeitschrift "RES" geweckt worden sei.
RES spielt als zentrale Informationsquelle auf dem Gebiet des digitalen Filmemachens eine ähnliche Rolle wie früher "WIRED" im Bereich Cyberculture. Die Zeitschrift ist Teil der RES Media Group, die auch das jährliche Filmfestival RESFEST veranstaltet.
Online-Action
Auf der offiziellen Website zu Soderberghs neuen Film, sind nicht
nur der Trailer und einzelne Ausschnitte aus dem Film abrufbar,
sondern auch ein detailiertes Videotagebuch, das den
Entstehungsprozess des Filmes dokumentiert. In zahlreichen Clips
kann man gewissermaßen Tag für Tag die Dreharbeiten mitverfolgen und
etwa zusehen, wie Soderbergh mit seiner digitalen Videokamera, einer
Canon XL1S, einzelne Szenen dreht.
fullfrontal.comZentralorgan für Digital Filmmaking
In New York befindet sich der Sitz der RES Media Group. Einer der Gründungsmitglieder ist Karol Martesko, der in Tirol aufgewachsen ist und seine Filmkarriere beim ORF startete.
"1996 bin ich auf ein Filmfestival aufmerksam geworden, das Jonathan Wells mitorganisierte. Es hieß "Low Res" und zeigte experimentelle Kurzfilme, die auf Video gedreht und auf dem Apple Macintosh bearbeitet worden waren.
Ich habe damals sofort erkannt, dass hier neue Formen des digitalen Filmemachens und Geschichtenerzählens entstehen und hatte die Idee, eine Zeitschrift zu gründen, die darüber berichtet", erzählt Martesko.
Die erste Ausgabe von "RES" erschien 1997 zum "Sundance"-Festival und hatte damals nur 16 Seiten. Die Zeitschrift ist seitdem gewachsen, aber ihrem Grundsatz treu geblieben, nämlich den Prozess des digitalen Geschichtenerzählens zu entmystifizieren und praxisrelevante Informationen zu liefern.
res.comVom Film-Festival bis zum DVD-Label
Von Anfang an wollten die Initiatoren des Magazins nicht nur Sprachrohr, sondern auch Motor und Katalysator der Entwicklung auf dem Gebiet des digitalen Filmemachens sein. Deshalb riefen sie 1997 gleichzeitig mit der Zeitschrift auch das RESFEST ins Leben, das heute weltweit als das führende Festival für digital produzierte Kurzfilme, Dokus und Animationen gilt.
In den ersten Jahren nach der Gründung hat die RES Media Group mehrere Übernahmeangebote abgelehnt, obwohl es dem Unternehmen finanziell lange Zeit alles andere als gut gegangen ist.
Mittlerweile braucht sich das Unternehmen diesbezüglich jedoch keine Sorgen mehr zu machen: Chris Blackwell, der legendäre Gründer und ehemalige Leiter der Plattenfirma Island Records, ist vor kurzem als neuer Hauptinvestor eingestiegen.
Vor kurzem haben die RES-Initiatoren auch ein eigenes DVD-Label gegründet, das Teil eines weltumspannenden Vertriebsnetzwerkes für unabhängig und digital produzierte audiovisuelle Inhalte werden soll.
resfest.comSonntag 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Wie verändern die digitalen Tools die Produktionsbedingungen und
Erzähltechniken im Medium Film? Richard Brem hat für matrix in New
York und London recherchiert und mit den Gründern der Res Media
Group über den Siegeszug des digitalen Filmemachens gesprochen.
matrix - computer & neue medien
