18.09.2002

FORSCHUNG

Bildquelle: waldt

Ein Chip soll die Netzhaut ersetzen

Ein amerikanisches Projekt will nicht weniger erreichen als Blinde bald wieder sehen zu lassen.

Die Forscher arbeiten dazu an der Entwicklung eines Chipsatzes, der direkt an der Netzhaut angebracht wird und das Augenlicht zumindest teilweise wiederherstellen soll.

Die Technologie verspricht Erfolge für Menschen, bei denen zwar die lichtempfindlichen Zellen auf der Netzhaut nicht mehr funktionieren, aber die Nervenzellen intakt sind. Bis 2004 soll es Blinden demnach möglich sein, zumindest Texte und Gesichter voneinander zu unterscheiden.

Grobe Auflösung

Die Forscher verfolgen das Ziel, Blinden wieder das Lesen und das selbstständige Erledigen von Tätigkeiten im Haus zu ermöglichen :

"Wir versprechen zumindest für die nahe Zukunft nicht, dass ein Blinder ein Auto lenken wird. Denn statt einer Million Pixel werden sie nur ungefähr 1.000 sehen. Die Bilder werden langsam erscheinen und einen Gelbstich haben. Aber sie werden sehen", so Kurt Wessendorf, Projektleiter bei Sandia Labs.

Das Chipsystem soll innen und außen am Auge angebracht werden. Eine Spezialkamera nimmt ein Video auf, dieses wird verarbeitet und dann via Radiosignal dem Auge übermittelt. Ein Chip im Inneren des Auges empfängt das Signal und stimuliert mit ausgewählten Daten die Nerven der Netzhaut.

Laut Forschern weist das Säugetierauge einen angeborenen Fehler auf. Die Stäbchen und Zäpfchen, die Photorezeptoren, liegen hinter der Neuronenschicht, die den Sehnerv mit Information versorgen. Diese Tatsache reduziert die menschliche Sehschärfe und führt zum sogenannten "blinden Fleck". Will man aber den Chipsatz anbringen, hat es einen Vorteil. Das Implantat sitzt direkt auf der Netzhaut und kann durch eine bestimmte Anordnung von Elektroden einen direkten Kontakt mit den Nervenzellen herstellen.