Zwei alte Männer und das Netz
Zwei Männer in den besten Jahren sind jetzt ebenfalls "drin". Sowohl Fidel Castro als auch der Waffenhändler Karlheinz Schreiber haben Websites gelauncht, mit dem Ziel, die interessierte Web-Öffentlichkeit mit enthüllenden Informationen zu versorgen.
Kubas Site richtet sich, wie könnte es anders sein, gegen Behauptungen der Vereinigten Staaten von Amerika den Terrorismus und Kuba betreffend.
Karlheinz Schreiber, als wichtige Figur im CDU-Spendenskandal berühmt geworden, kündigt an, auf seiner Site illegale Finanzpraktiken der bayrischen CSU zu enthüllen.
Beide Männer haben etwas gemeinsam: Ihre modernen Projekte kämpfen noch mit technischen Hürden. Die Site kommunistischer Provenienz ist zeitweise überhaupt nicht erreichbar, der Auftritt des Exil-Deutschen verfügt über nicht funktionierende Navigationsbuttons.
Schreibers Ankündigung
"Mein Hauptthema wird sein:
Wie Politiker und Behörden in ihrer Begehrlichkeit nach Einnahmen den Staat kriminalisieren, Industriemanager missbrauchen und zum Zwecke der Auftragserlangung Politiker und Behörden in anderen Ländern skrupellos korrumpieren."
Sitezugang ohne Flash-IntroCSU-Enthüllungen angekündigt
Vor Monaten bereits hatte Karlheinz Schreiber, der sich erfolgreich gegen seine Auslieferung von Kanada an die BRD gewehrt hat, bei seiner Vernehmung durch den Spenden-Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestags behauptet, von einem Schweizer Treuhandkonto seien umgerechnet 2,66 Millionen Euro an die CSU geflossen.
Beweise legte er nicht vor, die CSU wies die Vorwürfe zurück.
Nun hat der Mann, der einst auch auf der Gehaltsliste des Bundesnachrichtendienst [BDN] gestanden sein soll, offenbar seine Meinung geändert. Gegenüber der deutschen Tageszeitung taz sagte er: "Ich stelle die Verträge und die Unterlagen, die ich habe, ins Internet."
Wer seine Website aufruft und die Geduld hat, das Flash-Intro abzuwarten, kann unter anderem erfahren, dass ein kanadisches Höchstgericht ihm ermöglicht hat, Kanada und die BRD auf Schadenersatz zu verklagen.
Relegung der Parteienfinanzierung in DEStoiber soll als Zeuge geladen werden
Weiters wird ein Brief Schreibers an den konservativen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber wiedergegeben.
Dabei werden verschiedenste strafbare Handlungen, von der "Strafvereitelung im Amt" bis zum "Betrug am Königreich Saudi-Arabien" unterstellt und eine Vorladung Stoibers als Zeugen in Aussicht gestellt.
Konkrete Beweise sind indes noch nicht zu finden. Schreiber möchte offenbar eine Schar regelmäßiger Leser aufbauen und erst nach und nach Material online stellen.
Nicht nur im Freistaat Bayern dürfte man sein Treiben im WWW mit Interesse verfolgen.
Videokonferenz aus Kuba
Die Site wurde von Ricardo Alarcon, seines Zeichens Vorsitzender
der kubanischen Nationalversammlung, im Rahmen einer Videokonferenz
präsentiert.
antiterroristas.cu [Englisch]Gegeninformation
Antiterroristas.cu ist eine offizielle kubanische Website, die sich eigentlich zwei Ziele gesteckt hat. Einerseits will man die Behauptung der USA, Kuba unterstütze den Terrorismus, widerlegen.
Andererseits möchte man erreichen, dass die amerikanische Öffentlichkeit sich für die Freilassung von fünf in den USA unter Spionagevorwurf eingesperrten Kubanern einsetzt.
Nach kubanischer Darstellung sollen die Männer in Miami aktiv gewesen sein, um "exilkubanische Terroristengruppen" auszuspionieren. Der Bush-Administration wird vorgeworfen, auf diesem Auge blind zu sein.
Nur wenige Kubaner sind online
Nach Schätzungen des amerikanischen CIA-Factbook besitzt von den
insgesamt gut elf Millionen Kubanern nur knapp ein Prozent einen
privaten Rechner. Um die 60.000 Kubaner haben Internet-Accounts.
Kubas Computer-DilemmaKein Protest gegen US-Gefangenenlager
Als Beweis für die unterstützende Haltung Kubas im Kampf gegen den Terrorismus wird beispielsweise angeführt, dass man nicht gegen die Internierung afghanischer Gefangener in der US-Militärbasis in der Guantanamo Bucht protestiert habe.
Weiters wird behauptet, dass das FBI wider besseres Wissen verabsäumt habe, Attentate zu verhindern.
Auch ein Interview mit dem amerikanischen Intellektuellen Noam Chomsky wird veröffentlicht, in dem dieser der US-Regierung vorwirft, den Begriff "Terrorismus" nur für Gewaltakte zu verwenden, die sich gegen die USA richteten.
