Belgier will Caps-Lock-Taste abschaffen
Die Feststelltaste muss weg - das meint zumindest ein belgischer IT-Unternehmer, der jetzt eine Anti-Caps-Lock-Kampagne im Netz gestartet hat. Sein Argument: Die Taste sei "fett und sinnlos und hat keine Freunde".
Für Schwindler und Programmierer
Pieter Hintjens hat einen Feind. Der Geschäftsführer der Brüsseler IT-Firma Imatix hat es auf die Caps-Lock-Taste abgesehen, auch bekannt als Feststelltaste, Shift-Lock und Umschaltsperre.
"Die Caps-Taste ist eine Abscheulichkeit. Das wissen wir alle. Es ist eine große Taste, genau an der Stelle, an der früher die Steuerung-Taste war, und soweit ich weiß, wird sie nur von 419-Schwindlern und FORTRAN-Programmierern verwendet", ätzt Hintjens auf dem Blog seiner Anti-Tasten-Kampagne CapsOff.
"Genug ist genug"
Für den Belgier stammt die Taste "aus einer Zeit, als 'fett' bedeutete, zurückzugehen und denselben Text noch einmal aufs Papier zu tippen". Deshalb habe er jetzt beschlossen, dagegen aktiv zu werden.
Das Problem beschäftige ihn schon lange: "Zugegeben, es hat schon größere Ärgernisse gegeben, und Arbeit, Familienleben und Verpflichtungen haben das Problem lange Zeit verdeckt. Doch gestern, als ich ungewollt eine Zeile in Großbuchstaben schrieb und mich fragte: 'Was zur Hölle soll das?', wurde mir klar: Genug ist genug, und manchmal müssen wir einfach tun, was wir tun müssen."
Unbeliebtes "Schreien"
Durchgehende Großschreibung hat im Netz tatsächlich keinen guten Ruf. Sie gilt als Äquivalent zu unkontrolliertem Schreien und ist zum Symbol für unbedarfte Netz-Kids geworden. Passend dazu lautet der Slogan der Bewegung "STOP SHOUTING" ["Hört auf zu schreien"].
Mit "Briefkampagnen, Petitionen, Websites und viel Aktivismus" sowie "Konferenzen, Protesten und sogar politischen Kandidaten" will Hintjens jetzt die Welt ändern - eine Taste nach der anderen. "Mit der Caps-Taste fangen wir an. Sie ist fett und sinnlos und hat keine Freunde, also sollte sie ein leichtes Ziel sein. Vielleicht können wir uns danach der SysRQ-Taste widmen."
"Für sie ist eine Taste wie die andere"
Dass er es nicht leicht haben wird, ist Hintjens bewusst: "Ich kann verstehen, dass die Tastaturhersteller dieser Welt das Problem nicht wirklich anerkennen. Für sie ist eine Taste so gut wie die andere, und noch hat sich keiner aufgeregt. Warum also dieses perfekte Modell ändern?"
Um den Plan noch absurder zu machen, hat der Belgier die Regel aufgestellt, dass die Infrastruktur seiner Anti-Caps-Lock-Bewegung nur aus frei erhältlichen Tools aus dem Hause Google bestehen darf. Er hat neben dem Blog bei Blogger ein Forum bei Google Groups eingerichtet.
Heftige Debatten
Ganz ernst zu nehmen ist Hintjens' Initiative natürlich nicht. Dennoch hat CapsOff bereits heftige Debatten in der Netzcommunity ausgelöst, nachdem es die Kampagne auf die Frontseite von Slashdot schaffte. In den Foren weisen User auf die legitime Verwendung der Taste hin - etwa beim Programmieren und in der Flugzeugindustrie, wo technische Dokumentationen ausschließlich in Großbuchstaben verfasst werden sollen.
"Ich sehe das überhaupt nicht als Problem. Die Caps-Lock-Taste ist da, und die Leute können sich selbst aussuchen, ob sie sie verwenden oder nicht", zitiert das Gadget-Weblog Engadget den Designer Joel East vom Tastaturhersteller Ikey.
East hat einen Alternativvorschlag: "Es würde mehr Sinn ergeben, wenn sich CapsOff darauf konzentrieren würde, die Öffentlichkeit über Umgangsformen und die richtige Verwendung der Tastatur aufzuklären."
Dabei können so gut wie alle User bereits jetzt die Feststelltaste umprogrammieren. Windows-User müssen dazu einen Eintrag in der Systemregistrierung ändern. Unter Linux gibt es Shellbefehle, um die Taste zu deaktivieren. Und Mac-OS-X-User können in ihren Systemeinstellungen der Taste komfortabel eine andere Funktion zuordnen.
