AOL begibt sich auf echte Schatzsuche
Der US-Internet-Riese AOL will nach Gold graben - und zwar wortwörtlich. Er hat gerichtlich erwirkt, auf einem Grundstück nach versteckten Gold- und Platinbarren eines Spammers suchen zu dürfen.
Spammer tauchte unter
AOL geht davon aus, dass Davis Wolfgang Hawke die Barren auf einem Grundstück in Medfield im US-Bundesstaat Massachusetts vergraben hat. Der Internet-Anbieter klagte Hawke im Vorjahr erfolgreich, weil er die AOL-Kunden mit Millionen von Spam-E-Mails belästigt hatte.
Es ging um einen Streitwert von 12,8 Millionen US-Dollar [10,06 Mio. Euro]. Gezahlt hat Hawke bisher davon keinen Cent: Seit dem Urteil ist der Spammer, der bereits zuvor ein "Nomadenleben" geführt haben soll, untergetaucht.
Insgesamt hat AOL im Vorjahr eine halbe Billion Spam-Mails geblockt.
"Werden sich lächerlich machen"
Der "Schatz" liegt laut AOL neben dem Haus von Hawkes Eltern vergraben. Die Familie will die Pläne des Internet-Unternehmens jedoch gerichtlich unterbinden. "Sollen sie doch den ganzen Platz umgraben. Sie werden sich nur lächerlich machen", erklärte Hawkes Mutter, Peggy Greenbaum. "Es gibt keinen Grund für sie anzunehmen, Davis Hawke sei dumm genug, Gold auf unserem Anwesen zu vergraben. Mein Sohn ist längst über alle Berge."
Greenbaum sagte, sie glaube, Hawke habe das Gold in einem Berggebiet nördlich von Boston vergraben. Dass die Barren vermutlich existieren, bestätigte sie: Ihr Sohn habe ihr einmal gebeichtet, er habe statt teuren Häusern und Autos Gold gekauft, weil es schwieriger zu beschlagnahmen sei.
Kein Luxus
Laut Expertenschätzungen haben Hawke und seine Geschäftspartner über 600.000 US-Dollar [471.500 Euro] monatlich mit unerwünschter E-Mail-Werbung für Kredite, Pornografie, Schmuck und Medikamente verdient. "Sie waren Millionäre, wenn auch nur für kurze Zeit", sagte der Journalist Brian McWilliams, der Hawke 2004 für sein Buch "Spam Kings" interviewte.
Der Spammer habe ein "nomadisches" Leben ohne Luxus geführt: "Hawke hat wie ein Sozialhilfeempfänger gelebt. Er hat eine regelrechte Blechbüchse gefahren, ein ausrangiertes Polizeiauto. Ein Haus oder etwas ähnliches besaß er nie."
Die USA und China führen ein aktuelles Ranking an, das jene Nationen auflistet, aus denen die meisten Spam-Mails versendet werden.
Bulldozer und Geologen
AOL will das knapp einen Hektar große Gelände mit Bulldozern und geologischen Suchteams durchkämmen und außerdem das Haus von Greenbaum durchsuchen.
"Das ist keine Aktion aus der 'Schatzinsel'", verteidigte AOL-Sprecher, Nicholas Graham, die Vorgangsweise. "Es handelt sich um einen vom Gericht geleiteten, von einem Richter abgesegneten juristischen Vorgang, bei dem es einfach nur darum geht, ein verstecktes Vermögen sicherzustellen."
(futurezone | AP)
