Telekom-Trübsal und Handy-Leid
Die Hoffnungen von Investoren und Analysten, dass sich die Nachwehen des 11. September auf die Telefonnetzbetrieber, Handy-Produzenten und Netzwerkausrüster positiv auswirken würden, haben sich nicht erfüllt.
Der Schlussfolgerung - Wenn weniger geflogen wird, werden mehr Telefonate geführt, Handys abgesetzt und mehr Videokonferenzen durchgeführt - stimmte ganz einfach nicht.
Das Neukundengeschäft der zahlreichen US-Anbieter stieg weder im dritten noch im vierten Quartal 2001 signifikant. Vielmehr machten sich schon zum Jahresende Zweifel an dem bisher prognostizierten Marktpotenzial für Handys in den USA breit.
Analysten nahmen im Zuge des weltweiten Konjunktureinbruchs reihenweise ihre Markterwartungen zurück und rechnen seitdem mit einem deutlich verlangsamten Kundenzuwachs.
Stagnierender Handyabsatz in ÖsterreichUnerwartet wenig Penetration
Mittelfristig wird der Investmentbank CSFB zufolge in den USA nur noch mit einer Marktdurchdringung von 65 statt erwarteter 70 bis 75 Prozent gerechnet. Die Aktienkurse der Mobilfunkanbieter reagierten frühzeitig mit Abschlägen.
Spiegelbildlich blieb auch bei den Herstellern der Mobilfunkgeräte der erhoffte Absatzschub nach den Anschlägen aus. Zwischen 1996 und 2000 hatte die Industrie ihren Verkauf jährlich im Schnitt um 60 Prozent gesteigert.
420 Millionen Handys 2002
Im Jahr 2000 war mit 405 Millionen Stück weltweit der Plafond
erreicht. 2001 stagniert er mit 399 Millionen Handys. Im laufenden
Jahr rechnet Gartner wieder mit einem sehr moderaten [5 Prozent]
Anstieg des Welt-Absatzes auf 420 Millionen Stück.
Handy-Markt in Westeuropa gesättigtDie Letzten zwei Quartale
Jedoch lagen die Verkaufszahlen im ersten Quartal 2002 noch vier Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal 2002 wuchs die Summe der weltweit verkauften Handys gerade einmal um 0,8 Prozent.
Ebenso machte die schwache Konjunktur den ohnehin angeschlagenen Netzwerkausrüstern zu schaffen. Die Investitionssumme der Mobilfunk- und Festnetz-Branche wird im laufenden Jahr weltweit kaum über dem Niveau von 1999 liegen.
Kaum mehr Videokonferenzen
Bei den Herstellern von Video-Konferenz-Systemen hatte sich
zunächst tatsächlich ein Nachfrageboom ergeben.
Ein demo der technologie von GenesysAktienkurse im Taumel
Für das laufende Jahr erwartet Genesys, Hersteller von Videosystemen, aber nur noch einen Umsatzanstieg von zehn bis 20 Prozent. Der Aktienkurs verlor seit Jahresbeginn 82 Prozent, nach einem Minus von 72 Prozent im Vorjahr.
Der Aktienkurs von Polycom, einem weiteren Branchenführer, hat sich binnen Jahresfrist etwa halbiert.
