Buch.de ist an BOL interessiert
Der Münsteraner Online-Buchhändler buch.de hat grundsätzlich Interesse an der Bertelsmann-Tochter BOL signalisiert.
"Es ist für buch.de nicht uninteressant, sich mit dem Thema BOL zu beschäftigen", sagte Marketing-Vorstand Albert Hirsch noch am Mittwoch. Bertelsmann hatte zuvor mitgeteilt, sich weitgehend aus dem Internet-Handel mit Medienprodukten in Europa zurückziehen zu wollen. Dazu würden auch Teile des verlustreichen Internet-Buchhändlers BOL abgestoßen.
"Gute Chancen" für Verkauf
Einen Kaufinteressenten für die 100-prozentige Tochter BOL nannte
der Medienkonzern aus Gütersloh nicht. In einem im voraus
veröffentlichten Zeitungsinterview sagte
Bertelsmann-Direct-Group-Chef Ewald Walgenbach, er sehe gute
Chancen, BOL zu verkaufen.
BOLGespräche mit Interessenten
Zu einem Bericht des Informationsdienstes "Prior-Börse", die Übernahme von BOL durch die buch.de-interstores stehe unmittelbar bevor, wollte sich Hirsch nicht äußern. Auch die Douglas-Holding [Mutter: Hutchinson], die knapp 40 Prozent an buch.de hält, und Bertelsmann wollten den Bericht nicht kommentieren.
In Branchenkreisen hieß es, BOL führe bereits seit Wochenbeginn Gespräche mit Kaufinteressenten.
Die Prior-Börse schreibt, am Montag hätten sich die BOL-Geschäftsführung, ein Bertelsmann-Manager und die beiden buch.de-Vorstände in Münster getroffen und über eine Übernahme von BOL verhandelt.
100 Mio. Euro Umsatz
BOL setzte im Geschäftsjahr 2000/2001 bei rund 2,5 Millionen Kunden knapp 100 Millionen Euro um. Der große Verwaltungsapparat habe das Unternehmen aber tief in die Verlustzone gerissen, hieß es in dem Bericht.
Branchenkenner halten es durchaus für möglich, dass Douglas nach der BOL-Transaktion ihre Tochter buch.de komplett übernehmen wird. Dies passe zur Strategie des Hagener Konzerns, denn die einst durch ihre Parfümerien bekannte Gruppe habe in der Vergangenheit ähnlich operiert.
Die Experten erinnerten an den Einstieg in und die spätere Übernahme der Ketten Montanus, Phönix und Thalia. Erst vergangene Woche hat Douglas in Österreich die Großbuchhandlungen von Libro, "Amadeus", gekauft.
