04.09.2002

AUFRÄUMEN

Bildquelle: BOL

Bertelsmann stößt BOL ab

Die DirectGroup des Medienkonzerns Bertelsmann wird sich aus dem Online-Buchverkauf vollständig zurückziehen.

Entsprechende Meldungen des "Manager-Magazin Online" wurden am Mittwoch offiziell bestätigt.

Wie das Unternehmen in Gütersloh mitteilte, würden für die BOL-Geschäfte in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden sowie für die Beteiligung an Bokus in Schweden mit insgesamt rund 140 Mitarbeitern Ausstiegsoptionen geprüft.

Verhandlungen mit Amazon

"Als Handelsgeschäft wird BOL auf absehbare Zeit die geforderten Renditeerwartungen von Bertelsmann nicht erfüllen können", sagte Ewald Walgenbach, CEO der DirectGroup.

Nach Angaben aus Branchenkreisen gibt es wegen des angestrebten BOL-Verkaufs bereits "Kontakte" mit dem US-Online-Händler Amazon. Der Bertelsmann-Sprecher bestätigte nur, dass es Verhandlungen mit interessierten Parteien gibt.

CDNow nicht betroffen

Von dem Ausstieg nicht betroffen ist das US-Geschäft BeMusic, in dem die E-Commerce-Aktivitäten von CDNow vollständig in den Musikklub BMG MusicService integriert sind, sowie die Beteiligung an barnesandnoble.com in Höhe von 36,2 Prozent.

Bertelsmanns Halbjahr

Bertelsmann hat neben dem BOL-Ausstieg auch seine Bilanz des ersten Halbjahres 2002 vorgelegt. Der Konzern hat trotz eines Umsatzeinbruchs seine Gewinne gesteigert und will auch in der zweiten Jahreshälfte bei den Erträgen zulegen.

Der Bertelsmann-Konzern, der erstmals nach dem Führungswechsel von Thomas Middelhoff zu Gunter Thielen Ende Juli Zahlen vorlegte, teilte mit, im ersten Halbjahr sei auf Grund stark reduzierter Internet- und Restrukturierungskosten ein operativer Gewinn [EBITDA] von 157 Millionen Euro erzielt worden.

Im Vorjahreszeitraum verbuchte Bertelsmann operativ noch einen Verlust von 884 Millionen Euro. Der Überschuss sei auf 1,63 Milliarden Euro von 577 Millionen Euro geklettert.

Maßgeblich hätten dazu Gewinne aus dem Verkauf der letzten Tranche von AOL-Europe-Anteilen beigetragen. Dem stehe eine Risikovorsorge von einer Milliarde Euro für eine mögliche Abschreibung auf das Musikunternehmen Zomba gegenüber, das Bertelsmann übernehmen will.

"Dramatische Einbrüche"

Der Konzernumsatz ist angesichts der "dramatischen Einbrüche" auf dem Werbemarkt auf 8,83 [Vorjahr 9,29] Milliarden Euro gesunken.

Für das zweite Halbjahr, das für den Konzern traditionell stärker ausfalle, rechnet Bertelsmann mit einem "höheren Umsatz und operativen Ergebnis".

Thielen hatte Ende Juli in einem Brief an die Bertelsmann-Mitarbeiter geschrieben, das Ziel, mittelfristig eine Umsatzrendite von zehn Prozent zu erreichen, bleibe bestehen.