Software ist keine Safeware
Die Landung des Pathfinders am Mars scheiterte, weil niemand dem Computer den Unterschied zwischen den Maßeinheiten Meter und Inch beigebracht hatte. Sieben Jahre Entwicklungszeit und sieben Milliarden Dollar lösten sich beim Start der Ariane 5 innerhalb von 40 Sekunden in Luft auf.
Vereinfacht ausgedrückt, so Matjaz Colnaric, vom Real Time System Laboratory in Maribor war dafür eine nicht initialisierte Ausnahme verantwortlich. Diese "Ausnahme" wurde von einer älteren Version der Software gestartet, die man zwar ersetzt, aber nicht abgeschaltet hatte.
The risks digestÄrgerlich aber nicht kritisch
Software ist fehlerhaft. Für Anwendungen im "Consumer-Bereich" ist das auch nicht weiter schlimm. Wenn zwischen der Denkart des Programmierers und des Benützers Welten liegen, dann wird der User die eine oder andere Funktion der Software eben nie zu Gesicht bekommen.
Im schlimmsten Fall wird das Programm den Interessenskonflikt mit einem Bluescreen beenden und das hat im privaten Bereich bis jetzt noch niemanden umgebracht.
Für manche kritische Anwendungen sind Zertifizierungen zwingend vorgeschrieben, aber auch dabei wird nicht das System als Ganzes überprüft, sondern nur einzelne Programmroutinen. Das Prüfungsverfahren "diverse back translation", dass dafür verwendet wird ist so komplex, dass allein für die Überprüfung von 4-Kilobyte Code zwei Mannmonate benötigt werden, erzählt Matjaz Colnaric vom Real Time System Laboratory in Maribor.
Kritisch und lebensbedrohend
Würde man herkömmliche Software allerdings für sicherheitskritische Aufgaben einsetzen, dann würde das zu 120 Flugzeugabstürzen pro Woche oder zum Ausfall eines Herzschrittmachers pro Tag führen.
Und damit kann man schon weniger gut leben. Die zugelassene Fehlerrate für sicherheitskritische
Systeme liegt zwar bei 10
-9
, aber eine Garantie für die Sicherheit dieser Systeme kann heute niemand abgeben. Dafür sind die Systeme mittlerweile zu komplex.
In dieser Ausgabe von matrix ging es um die Zuverlässigkeit von Echtzeitsystemen und das Zusammenspiel von Mensch und Computer in Ausnahmesituationen.
matrix - computer & neue medienZusammenarbeit als Lösung
Auf den Menschen als Controler wird man auch in Zukunft nicht verzichten können, sagt Lena Mårtensson vom Royal Institute of Technology in Stockholm.
Im Gegenteil, je weiter die Automatisierung voranschreitet, umso gefragter ist die Flexibilität mit der Menschen Krisensituationen bewältigen können; vorausgesetzt sie haben eine gute Ausbildung und ein Grundverständnis vom System.
