Japans Autos lernen sprechen
Toyota und Honda haben je ein neues Auto-Navigationssystem vorgestellt, das über Sprachsteuerung verfügt. Natürlich sollen die Fahrer mit den beiden Konkurrenzsystemen auch online gehen und tolle Services in Anspruch nehmen können.
Toyota will so beispielsweise Karaoke im Auto und die Teilnahme an Online-Communitiys ermöglichen. Zum Aggressionsabbau im Stau sollen interaktive Spiele dienen.
Honda hat mehr die verkehrsbezogenen Dienste in den Vordergrund seiner Präsentation gestellt. Aktuelle Straßenverkehrsinformationen, Navigationshilfen und Informationen über die Wartungsbedürftigkeit des Fahrzeuges sollen so unter anderem in den ersten drei Jahren kostenlos angeboten werden.
InterNavi Premium Club
Mit dem Verkaufsstart des neuen Accord-Modells im Herbst wird
auch der "Internavi Premium Club" in Japan gelauncht. Dabei wird das
seit 1998 bestehende Informationsnetz "Internavi" mit einer neu
entwickelten Sprachsteuerungssoftware kombiniert. Mit dem Gerät soll
man nicht nur navigieren, sondern auch telefonieren, Notizen machen
oder die Klimaanlage steuern können.
InterNavi [japanisch]Die Hälfte hat bereits ein Navigationssystem
Im Endeffekt dürften die Dienste, die eindeutig auf den gleichen Markt abzielen, nicht sehr unterschiedlich ausfallen. Allerdings wird Toyota die Technik für Datenübertragungen über CDMA-2000-1x-Mobilfunknetze [der in Amerika und Japan bevorzugte UMTS-Konkurrenzstandard zum europäischen W-CDMA] gleich einbauen, während Honda dafür die Handys der Kunden verwenden möchte.
Toyota möchte auf diese Weise Flat-Fee-Zugänge realisieren, während der Konkurrent auf die Ersparnis durch den Verzicht auf diese technische Redundanz hinweist.
Der Markt in Japan ist für derartige Produkte sicher bereiter als etwa der europäische. In dem Kaiserreich verfügt bereits die Hälfte aller Pkw über ein Navigationssystem.
G-Book
Toyotas "G-Book" wird im Herbst in einen Prototyp eingebaut
werden. Ab der zweiten Jahreshälfte 2003 sollen alle in Toyotas
eingebauten Navigationssysteme G-Book-kompatibel ausgeführt werden.
Die Geräte basieren auf einer von Toyota und Matsushita entwickelten
Navigationslösung und einer von dem Autobauer, Denso und KDDI
konstruierten Kommunikationslösung. Neben den bereits erwähnten
Anwendungen soll das G-Book Nachrichten aus dem Internet beziehen
und diese selbsttätig vorlesen, bei einem Unfall selbst Hilfe holen,
den aktuellen Aufenthaltsort per E-Mail übermitteln und
Informationen über die Geschäfte der Umgebung anbieten können.
Toyotas Infos über G-BookWer besser ankommt
Welches der beiden Systeme bei den Kunden besser ankommen wird, bleibt abzuwarten. Die Kommunikation im und mit dem Auto wird sich jedenfalls verändern.
Die europäischen UMTS-Netzbetreiber werden die Entwicklungen in Japan in jedem Fall genau beobachten, ist man doch nach wie vor auf der Suche nach sinnvollen mobilen Diensten, mit denen die versprochenen Bandbreiten ausgenutzt werden sollen.
Sollten sich die Systeme auf dem Markt behaupten, könnte sich die Entscheidung, die UMTS-Netze [nach der Versorgung der Ballungszentren] vorrangig entlang von Autobahnen zu errichten, als richtig erweisen.
Dennoch dürften Bahnreisende, ob in Europa oder Japan, auch in absehbarer Zukunft attraktiven Diensten mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen können - sofern sie mit UMTS versorgt werden.
