Microsoft gibt Windows-Geheimnisse preis
Microsoft bemüht sich offensichtlich um die gütliche Beilegung des laufenden Kartellverfahrens und die schnelle Umsetzung der bisher akzeptierten Auflagen. Der Konzern hat jetzt in diesem Zusammenhang Informationen zu Schnittstellen [APIs] von Windows 2000 und XP offen gelegt, die bislang undokumentiert waren.
Dokumentationen zu rund 270 Programmierschnittstellen, die nicht im Microsoft Platform Software Development Kit enthalten waren, können ab sofort über das Entwicklernetzwerk [MSDN] eingesehen werden.
Nach Veröffentlichung des Service Packs 1 für Windows XP sollen dem auch noch Code-Beispiele über die Download-Seiten des Platform SDK folgen.
APIs [Application Programming Interface] sind spezifizierte Schnittstellen zu Funktionen in einer Anwendung oder einem Betriebssystem. Damit lassen sich häufig benutzte Funktionen, wie etwa das Formatieren von Texten oder Darstellen von Fenstern, in einer zentralen DLL unterbringen. Microsoft hat die neu veröffentlichten APIs auf dieser MSDN-Seite aufgelistet und in Kategorien eingeteilt.
Die API-ListeGute Stimmung erzeugen
Die bislang undokumentierten APIs gehören nach Angaben von Microsoft zu Middleware-Komponenten, die mindestens ein Mal in Windows 2000 und/oder XP eingesetzt worden seien.
Ob Entwickler darunter Hilfreiches finden, sei dahingestellt, schließlich heißt das nicht, dass Microsoft gewillt ist, die APIs weiter zu verwenden.
Microsoft kann mit der Veröffentlichung aber behaupten, Auflagen zu erfüllen, die in einer außergerichtlichen Einigung mit neun Staaten und dem US-Justizministerium ausgehandelt wurden.
Auch im Hinblick auf das laufende Verfahren mit den verbleibenden Staaten, die sich dem Vergleich nicht angeschlossen haben, könnte der Schritt positive Auswirkungen für den Konzern haben.
Die Veröffentlichung der Schnittstellen hatte Microsoft Anfang August angekündigt.
MS zeigt Teile des Windows-CodesWeitere Maßnahmen
MS hat bereits weitere Schritte angekündigt, um den bisher akzeptierten Auflagen aus dem Prozess nachzukommen: Mit dem für Herbst angekündigten Service Pack 1 für Windows XP werden MS-eigene Programme wie Internet Explorer, Windows Media Player und Outlook Express standardmäßig vom Desktop entfernt.
PC-Hersteller können ihre Rechner mit MS-Betriebssystem somit zusätzlich mit alternativer Software ausliefern.
Microsoft betonte allerdings, dass die Programme selbst nicht entfernt würden. Sie seien weiterhin in Windows vorhanden.
Bereits im November 2001 einigte sich MS mit dem US-Justizministerium und neun der ursprünglich 18 klagenden Bundesstaaten. Neun US-Bundesstaaten klagen allerdings weiter und haben die Richterin im Kartellrechtsprozess Ende Juni erneut aufgefordert, härtere Auflagen gegen den weltgrößten Softwarekonzern zu verhängen.
Unversöhnliche Positionen in den Plädoyers
