Rückschlag für Microsofts Works
In einem seiner Kerngeschäftsbereiche musste Microsoft jetzt einen schwere Niederlage hinnehmen:
Hewlett Packard will zukünftig statt Microsofts Works - eine abgespeckte Version des Office-Pakets - WordPerfect von Corel oder StarOffice von Sun auf seinen Konsumenten-PCs vorinstallieren.
Der Schritt ist umso gravierender, als auch Dell vor rund einer Woche US-Konsumenten beim PC-Kauf zumindestens die Wahl zwischen den beiden Konkurrenz-Produkten lässt.
Im März hat Corel die Neufassung seiner Software-Suite für Büroanwendungen vorgestellt. Zu den Neuerungen gehört neben Zusatzfunktionen ein E-Mail-Programm.
Corel stellt WordPerfect Office 2002 vorKerngeschäft
Für Microsoft sind die Entscheidungen von HP und Dell insofern gravierend, als sie eines der Kerngeschäfte des Konzerns betreffen.
Im letzten Geschäftsjahr hat MS mit PC-Anwendungs-Software mehr als ein Drittel seiner Einnahmen erzielt.
Corel erwartet allein durch die Dell-Ankündigung eine Million zusätzliche Lizenzen innerhalb eines Jahres.
CorelMehr Ungemach
Zusätzlch zu den zu erwartenden Marktanteil-Verlusten im Konsumenten-Sektor gehen Marktbeobachter davon aus, dass Microsoft durch ein neues Lizenzmodell auch im Business-Bereich Kunden verlieren wird.
Das neue Lizenzmodell "Licensing 6.0", das seit Anfang des Monats für Firmenkunden gilt, dürfte nach einhelliger Meinung von Marktforschern und Beratungsunternehmen nicht nur alternativen Betriebssystemen Auftrieb geben, sondern auch auf dem Anwendungssektor Veränderungen bewirken.
Corels WordPerfect und Suns Star Office könnten dabei in vielen Betrieben Microsofts Office ersetzen.
Kunden verärgert über MS-LizenzmodellSpekulationen
Der Umstieg auf Corel-Produkte hat allerdings eine interessante Fußnote: Microsoft hat Ende 2000 135 Millionen USD in den damals angeschlagenen Softwarehersteller investiert. Dafür erhielt MS 24 Millionen Corel-Aktien oder 24,6 Prozent der Anteile an der kanadischen Firma, allerdings ohne Stimmrecht.
Von Beobachtern wurde nach dem Deal allerdings gemutmaßt, dass MS dem kleinen Konkurrenten nur half, um im US-Kartellverfahren einen besseren Stand zu haben.
Andere Spekulationen besagen, dass die beiden Unternehmen sich stillschweigend darauf geeinigt haben, Corels Office-Produkte als Billig-Variante zur MS-Software zu etablieren.
Microsoft investierte allerdings bereits 1997 rund 150 Millionen USD in Apple. Wie Corel war damals auch Apple ein deklarierter, aber angeschlagener Microsoft-Konkurrent - der sich seitdem aber wieder deutlich erholt hat.
Microsoft investiert in Corel
