25 Jahre nach IBM: Die Zukunft des PCs
Vor 25 Jahren hat mit dem IBM-PC 5150 der Personal Computer [PC] seinen Siegeszug angetreten. Noch heute basieren 95 Prozent aller verwendeten Computer auf der IBM-Architektur. Doch in einer Welt voller Mobiltelefone, Handhelds und vernetzter Multimedia-Geräte kann sich das schnell ändern.
Flexibles Konzept als Erfolgsrezept
Momentan scheint ein Ende des PC-Zeitalters kaum vorstellbar: Rund eine Milliarde Geräte - 95 Prozent aller Computer - werden derzeit weltweit genutzt, und heuer werden voraussichtlich 240 Millionen neue dazukommen.
Hauptgrund für diesen langanhaltenden Erfolg sei die Flexibilität der PC-Konzepts, meint Intel-Chef Craig Barrett. "Die Tatsache, dass sich das Gerät verändern und mit der Zeit weiterentwickeln kann und keine Maschine ist, die nur eine Funktion beherrscht, ist der wichtigste Vorteil des PCs", erklärte Barrett jüngst in einem Interview mit der Branchenwebsite Cnet.
Inoffizieller Standard
Den Dutzend Ingenieuren, die IBM 1980 im Rahmen des Geheimprojekts "Chess" nach Florida schickte, um einen erschwinglichen Computer für alle zu bauen, war damals wohl nicht klar, dass sie einen Quasi-Standard entwickelten, der sich mehrere Jahrzehnte lang halten würde.
Der erste IBM-PC, der 5150, wurde aus frei auf dem Markt erhältlichen Bauteilen zusammengesetzt, und er ließ sich durch Steckkarten in seiner Funktion erweitern.
Durch dieses offene "Baukastensystem" konnten Fremdfirmen Hard- und Software für den PC entwickeln, und unlizenzierte "Klone" - die so genannten "IBM-kompatiblen PCs" - kamen in Millionen auf den Markt.
"PCs nur zwei Prozent aller Rechner"
Ken Sakamura, Informatikprofessor an der Universität von Tokio, rechnet vor, dass in Japan zwar 80 Prozent der Menschen einen PC benutzen, aber: "Das sind nur zwei Prozent der Rechner im weiteren Sinn des Begriffs".
Er zählt dazu Mobiltelefone, Faxgeräte, Kopierer, Aufzüge, Autos, Klimaanlagen, sogar Reiskocher - kurz: alle Geräte, die eine Art von Chip enthalten.
Sakamura entwickelt seit 1984 TRON [The Real-time Operating System Nucleus], eine Echtzeit-Betriebssystem-Architektur, die heute Bestandteil von Millionen elektronischer Geräte ist und als am meisten verwendetes Betriebssystem der Welt gilt.
Mobil und kommunikativ
Der Computer der Zukunft ist für Sakamura "mobil, leistungsstark, immer vernetzt und dazu fähig, mit allen anderen Geräten zu kommunizieren, von sich aus und über verschiedenste Protokolle". Und nach der PC-Architektur aufgebaute Rechner sind in dieser Vision nur ein paar Geräte von vielen.
In Japan haben tragbare Geräte - vor allem hochgezüchtete Mobiltelefone - den PC schon auf manchen Gebieten abgehängt - etwa beim E-Mailen und beim Online-Musikkauf.
Außerdem werden immer mehr Anwendungen systemunabhängig über den Browser verwendet, anstatt sie auf dem PC zu installieren - etwa Googles jüngst angekaufte Textverarbeitung Writely und die "Live"-Version von Microsoft Office.
Dell-Chef: PC-Konzept nicht ausgeschöpft
Die großen PC- und Komponentenhersteller zeigen sich angesichts solcher Zukunftsvisionen naturgemäß skeptisch. Schon vor zehn Jahren habe man groß von der "Post-PC-Ära" gesprochen, meinte Dell-Gründer Michael Dell jüngst gegenüber Cnet: "In Wahrheit ist die Verkaufsmenge von PCs nach wie vor gestiegen, und heuer werden knapp 240 Millionen PCs weltweit verkauft."
"Ja, es wird eine Menge neuartiger Geräte geben, aber der PC hat stets die erstaunliche Fähigkeit gehabt, sich anzupassen und weiterzuentwickeln. Den einen PC gibt es nicht", so Dell. "Die Technologie, die hinter der Hardware steckt, hört nicht auf, sich weiterzuentwickeln; das Tempo der Verbesserungen auf diesem Gebiet ist unglaublich. Ich glaube auch, dass es noch immer viele Möglichkeiten gibt, das User-Interface einfacher zu machen."
Kommt der Roll-PC?
Auch Intel-Chef Barrett ist überzeugt, dass aus dem PC-Konzept noch längst nicht alles herausgeholt ist: "Vielleicht wird das Ding elastisch, und man kann es aufrollen; es wird keine festen Metallbehälter mehr geben. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich die Größenverhältnisse weiter schrumpfen. Wir werden PCs haben, die aussehen wie BlackBerrys und sich auch so anfühlen - kleine, handgroße, intelligente Telefone, wie es sie heute schon gibt, aber mit echter PC- und Internet-Qualität."
(futurezone | AFP | Reuters)
