26.08.2002

HOT OR NOT?

Bildquelle: PhotoDisc

Partnersuche auf der Rating-Skala

Es waren einmal Jim and James, zwei Burschen aus San Francisco, die - wie kolportiert wird - in nicht ganz nüchternem Zustand eine Idee hatten. Sie bauten eine simple Website und nannten sie "Hot or Not?"

Ein paar Monate und eine Milliarde Page-Views später gingen James Hong und Jim Young weltweit durch die Medien und wurden mit diversen Preisen ausgezeichnet.

Nachdem die erste Welle von Online-Annäherungsdiensten - so genanntes Online-Matching wie etwa love.at - an Anziehungskraft verliert, wird Online-Rating immer beliebter.

Gefällt ein Bild besonders, kann man mit der Person auch in Kontakt treten. Will man aber E-Mail-Adressen oder andere Kontaktdaten austauschen, wird ein Obulus an die Site-Betreiber fällig.

Obacht: Suchtgefahr

Wirklich erstaunlich ist der Erfolg des Modells. Bei hotornot.com wurden bis dato über 4,1 Millionen Bilder hinaufgeladen und weit über zwei Milliarden Stimmen abgegeben. Darüber hinaus gibt eine Unzahl von Rating-Sites überall in der Welt, wie auch in Österreich [siehe unten].

"Durch die Anonymität im Netz sinkt die Hemmschwelle, während gleichzeitig die Offenheit steigt. Man muss keine Konsequenzen befürchten, wenn man andere online beurteilt", sagt die Wiener Psychologin und Wirtschaftswissenschaftlerin Marion Kern.

"Außerdem finden - zumindest im ersten Schritt - keine direkten Kontakte statt. Das kommt introvertierten Charakteren entgegen, da sie ihre oft geringere soziale Kompetenz nicht unter Beweis stellen müssen.", so Kern weiter.

Konkurrenzdenken bei jungen Menschen

Auch den eher niedrigen Altersschnitt der Teilnehmer kann die Psychologin erklären: "Das Konkurrenzdenken junger Menschen ist stark ausgeprägt. Manche sind stundenlang damit beschäftigt, den Wertungsschnitt der anderen herabzusetzen, während sie sich selbst mit den Top-Noten beurteilen. Im Extremfall kann dies sogar zu Suchtverhalten führen.¿

So wusste beispielsweise mysexyface-Geschäftsführer Marcus Markowitsch von Usern zu berichten, die den ganzen Tag anonym Bilder von "Konkurrenten" schlecht bewerten und warten, bis ihr Bild angezeigt wird. Sich selbst geben sie dann natürlich die maximale Punkteanzahl.

Fun oder Kampfarena

Marion Kern: "Für die User stellt diese eine Variante des "Peergroup-Benchmarking" dar. Ohne direkte Kontakte oder persönliche Gespräche können sie sich einen Überblick über den Zusammenhang zwischen Aussehen und Bewertung bei anderen verschaffen und gleichzeitig auch selbst anonymes Feedback erhalten.¿

Was, so die Psychologin weiter, unter Umständen zu einer Verbesserung des Selbstwertgefühls beitragen und für eine realistische Selbsteinschätzung hilfreich sein kann.

Manche versuchen aber offenbar mit hohem persönlichen Einsatz, das Abbild der Realität zu beeinflussen. Für Marcus Markowitsch eröffnen sich damit wieder ganz neue Geschäftsfelder. Er überlegt, verschiedene Premium-Dienste einzuführen.

Andere Site-Betreiber versuchen durch komplexe Algorithmen manipulative Bewertungen aus den Ratings wieder herauszurechnen, um den "ehrlichen" Usern den Spaß nicht verderben zu lassen.