Britisches Strafregister nach Indien
Rund um die Ermordung zweier englischer Schulmädchen hat auch das für das Strafregister zuständige Criminal Records Bureau Kritik von britischen Medien abbekommen. Nun soll noch vor Schulbeginn die strafrechtliche Vergangenheit von 22.000 Schulangestellten durchleuchtet werden.
Dabei stapeln sich schon kolportierte 100.000 unerledigte Anträge beim Bureau. Nach tagelangen Verhandlungen zwischen verschiedenen Dienststellen wurde nun entschieden, rund 100 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.
Außerdem sollen von der Passbehörde Mitarbeiter ausgeborgt werden. Wer derweil in der Vergangenheit der neuen Mitarbeiter nach dunklen Flecken suchen soll, wurde nicht mitgeteilt.
Kosten
Die Kosten des Bureau werden mit umgerechnet rund 1,5 Milliarden
Euro für 10 Jahre veranschlagt.
The Criminal Records BureauSchuld sind die Computer
Die Schuld an dem Rückstau wird unterdessen nicht bei dem Überhand nehmenden Interesse an der Vergangenheit und Privatsphäre anderer Menschen gesucht, sondern bei den Computern.
Im Sommer wurde nämlich ein neues IT-System installiert. Minister haben schon öffentlich über rechtliche Schritte gegen den Lieferanten nachgedacht. Inzwischen werden 35.000 Akten nach Indien geschickt, um dort bearbeitet zu werden.
Warum Inder mit dem neuen Computersystem besser umgehen können sollen, als Briten bleibt wohl ein Geheimnis der britischen Regierung.
Von den 1,5 Milliarden Euro sind 626 Millionen für den Vertrag mit dem Lieferanten Capita vorgesehen.
CapitaNeues Angebot verschoben
Ein neues Angebot der Behörde hätte jedem beliebigen Arbeitgeber ermöglicht, Strafregisterdaten tatsächlicher oder potenzieller Mitarbeiter einzusehen. Der Start dieses Dienstes wurde nun um fünf Monate [bis Jahresende] verschoben.
Grund dafür sind aber nicht Datenschutzbedenken, sondern die Angst, das eben erst personell aufgestockte Bureau könnte wieder unter der Last der Anfragen zusammenbrechen.
