Die Hackerpraktiken des FBI vor Gericht
Ein Berufungsverfahren, das sofort nach dem Urteil in erster Instanz Mitte September eingeleitet werden soll, dürfte nicht nur die Frage klären, ob die beiden Angeklagten russischen Staatsbürger sich wirklich des Kreditkartenbetrugs im großem Stil schuldig gemacht haben, sondern vor allem, ob die US-Bundespolizei FBI das Recht hatte, Rechner außerhalb der USA zu "hacken" um so an Beweismitteln zu gelangen.
Die Rechner in Russland gehörten den jetzt in den USA Angeklagten, die das FBI mit einem fingierten Jobangebot in die USA gelockt hatte.
Nach einer "Probearbeit" der Verdächtigen für ihre angeblichen neuen Jobs gewann die Bundespolizei mittels eines "Sniffer"-Programms Erkenntnisse über deren Passwörter, die anschließend genutzt wurden, um in die Rechner in Moskau einzudringen.
Die beiden Russen Vasily Gorshkov [25] und Alexey Ivanov [20] wurden festgenommen, nachdem die Daten vom ausgespähten Rechner den Betrugsverdacht erhärteten. Den beiden jetzt festgenommenen Russen wird auch der Einbruch in die Datenbank von Western Union zur Last gelegt, bei dem angeblich annähernd 20.000 Kreditkartendetails entwendet wurden.
Einbruch in Kreditkarten-DatenbankSpion vs. Spion
Das FBI rechtfertigt sein Vorgehen, das mit der Durchsuchung von Räumlichkeiten außerhalb der USA gleichzusetzen ist, mit der mangelnden Bereitschaft der russischen Behörden zur Amtshilfe.
Das Gericht, vor dem die beiden Russen in erster Instanz angeklagt sind, hat das Vorgehen des FBI bereits indirekt gerechtfertigt. Ein Urteil wird hier am 13. September erwartet.
Der Anwalt einer der beiden Angeklagten, kündigte jetzt an, dass er in seinem Berufungsantrag trotzdem damit begründen werde, dass das Vorgehen des FBI illegal war und damit die gewonnenen Beweismittel vor Gericht nicht relevant seien.
Dabei stützt sich der Anwalt, John Lundin, auch auf die aktuellen Ermittlungen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, der erst letzte Woche ein Verfahren gegen das FBI einleitete.
Die erste Instanz hat die vom FBI mit den umstrittenen Methoden erlangten Daten als Beweis anerkannt, da sich die Behörde vor der Auswertung der Daten einen Durchsuchungsbefehl beschafft hatte. Wie die Daten in die Hände des FBI gelangt waren, spielte hier offensichtlich keine Rolle.
FBI eröffnet weltweiten Info-KriegWeltweites Schnüffeln
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB beschuldigt in seinen aktuellen Ermittlungen konkret den FBI-Agenten Michael Schule, sich illegal Zugang zu russischen Informationssystemen verschafft zu haben.
Der FSB erklärte, sollten die Festgenommenen verurteilt werden, bedeute dies, dass sich die USA auch in Zukunft mit illegalen Methoden Informationen aus Russland und anderen Ländern beschaffen könnten.
Russen legen FBI Hackangriffe zur Last
