22.08.2002

EYE-TRACKING

Bildquelle: nature

Texteingabe mittels Augenbewegung

Eine neue Eingabemöglichkeit könnte Computer-Nutzern mit körperlichen Behinderungen oder einfach auch solchen, die gerade keine Hand frei haben, ein zwei Mal schnelleres, wesentlich exakteres und bequemeres Schreiben ermöglichen. Die Software könnte außerdem das mühselige Tippen auf Handhelds und das Schreiben auf Japanisch und Chinesisch enorm beschleunigen.

Das Programm-Paket mit dem Namen "Dasher" soll nach Angaben seines Entwicklers, David MacKay, die natürliche Fähigkeit des Auges, zu navigieren und vertraute Muster zu erkennen, ausnutzen.

"Jeder Mensch schaut automatisch dorthin, wo er gerade hingeht oder mit dem Auto fährt", sagt MacKay. "Um mit Dasher zu schreiben, muss man auch nur genau das, was man braucht, auf dem Bildschirm ansehen."

Dasher "errät" das Wort

Über eine Kamera werden die Augenbewegungen des Users verfolgt, und der Nutzer kann mit bloßem Auge über eine virtuelle Tastatur auf dem Bildschirm Buchstaben auswählen.

Wie bei dem bekannten Handy-Wörterbuch-Tool "T9" berechnet die Dasher-Software, welcher Buchstabe als nächstes in Frage kommen kann. Diese werden dann am rechten Bildschirmrand angezeigt.

Wählt man zum Beispiel ein "h", zeigt der Computer zunächst alle wahrscheinlichen Buchstabenpaare wie "he, hi oder ha" an. Wählt der User sein gewünschtes Paar aus, schlägt Dasher den nächsten Buchstaben oder gleich ganze mögliche Wörter oder Phrasen vor.

25 Wörter pro Minute

Geräte, die über Kameras den Augenbewegungen folgen, kombiniert mit On-screen-Tastaturen waren bisher einfach zu langsam. Bisher waren höchstens 15 Wörter pro Minute möglich, und die Nutzer mussten genau aufpassen, dass sie nicht versehentlich falsche Buchstaben tippten.

Durch das Erraten der Wörter soll mit Dasher die Eingabe von bis zu 25 Wörtern pro Minute möglich sein. Mit der Zeit lernt die Software außerdem die persönlichen Wortkombinationen des Nutzers und merkt sich diese.

Beim Autofahren SMS tippen

Hansen sieht allgemeine Anwendungsmöglichkeiten für die Software beim Tippen von SMS, ohne zum Beispiel seine Hände vom Steuer zu nehmen. Weitere Möglichkeiten sehen die Forscher vor allem auf dem chinesischen und dem japanischen Markt. Das Tippen in diesen Sprachen mit Tausenden von Zeichen ist mit normalen Tastaturen noch äußerst mühsam.

Doch bis die Software auf den Markt gebracht wird, müssen die Eye-Tracking-Geräte noch weiter verbessert werden. Inzwischen kann man Dasher auch mit der Maus, einem Trackball oder einem Pointer verwenden.

Das Forscherteam aus Cambridge will Dasher in sechs Monaten als Open-Source-Software veröffentlichen. Mit Hilfe der Open-Source-Community sollen schnell unzählige Anwendungen entwickelt werden.