Musikbranche hat den CD-Blues
Die Kölner Musikmesse "Popkomm" ist am Wochenende mit einem Besucherrückgang von 14 Prozent und einem Ausstellerrückgang von fünf Prozent zu Ende gegangen. Die Größen der deutschen und internationalen Musikbranche hatten sich wie jedes Jahr getroffen, "um ihre Sorgen und Forderungen an die Politik zu formulieren", wie es Thomas M. Stein von BMG Europa ausdrückte.
Die Sorgen der Musikkonzerne sind rückgehende Absatzzahlen, deren Ursachen man in der "privaten Vervielfältigung von CDs und der Internetpiraterie¿ sucht [Zitat Peter Zombik, Deutscher Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft].
Die Forderungen sind derweil recht einfach: härtere Gesetze gegen illegale Kopien. Derzeit könne man nicht einmal gegen Computerzeitschriften vorgehen, die über die Möglichkeiten des Knackens oder Umgehens von Kopierschutzmaßnahmen berichteten, wurde auf der Messe beklagt.
Die Popkomm über sich selbst
"Die Popkomm, das größte Musikbranchentreffen weltweit, ist eine
seit 1989 jährlich stattfindende Kommunikationsmesse. Sie bietet mit
ihren Bereichen Messe, Kongress und Festival die
Präsentationsplattform für die internationale Popmusik- und
Entertainment-Industrie [Schallplattenfirmen, Musikverlage,
Musikagenturen, "dot-coms" etc.], ihre angrenzenden Wirtschafts- und
Kommunikationsbereiche [Werbeagenturen, neue Technologien etc.] und
für das gesamte Medienspektrum."
Die Popkomm-SiteDas Millionengeschäft
Mit den im Vorjahr in Deutschland verkauften 177 Millionen Tonträgern ist die Branche nicht glücklich. Obwohl der Umsatz mit Tonträgern laut einer Studie [siehe unten] genauso wie das Merchandising, Konzertveranstaltungen, Werbeverträge und andere Geschäftsfelder vom Trend zum Filesharing nicht betroffen ist, klagt man über angeblich 182 Millionen illegal kopierte CDs im Jahr 2001 in Deutschland.
Derweil können die von den fünf Businessgrößen Universal, Sony, Warner, Capitol [vormals EMI] und BMG betriebenen Internetangebote "Pressplay" und "Musicnet" nur von Amerikanern genutzt werden.
Universal hat im Popkomm-Vorfeld die Site popfile.de gestartet, wo 5.000 Songs für je 99 Cent zum Download angeboten werden.
"Der Run auf popfile hat in den ersten Tagen den Server abstürzen lassen", berichtete Universal-Deutschland-Chef Tim Renner. Sein Kollege Bernd Dopp von Warner Music will indes wissen, woran es mangelt: "Nur ein plurales, Label-übergreifendes Angebot im Netz ist letztendlich attraktiv für den Konsumenten", meinte er.
Audio-DVD "boomt"
Freude gab es auf der Popkomm über den sprunghaften Anstieg der
Verkaufzahlen von Audio-DVDs. Im ersten Halbjahr habe man mit einer
Million Stück den Absatz verdreifachen können.
Verkauf von Musik-DVDs steigt rasantSchnelle Hits statt Nachhaltigkeit
Nicht ganz so laut wissen auch die Plattenbosse von Versäumnissen der Industrie zu berichten: Die Pflege des Künstlerrepertoires sei vernachlässigt worden. In den für die Musikindustrie hervorragenden 90er Jahren habe man auf kurzlebige, aber profitable Hits gesetzt und den Aufbau langfristig attraktiver Acts unterlassen.
Um Fans [und somit Käufer] zu binden, müsse nun das so genannte A&R-Geschäft [Artist & Repertoire, Aufbau, Betreuung und Entwicklung von Künstlern] wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden
MP3-Tauschbörsen harmlos laut Forrester
Die populären Musiktauschbörsen im Internet haben nach Angaben
des Marktforschungsinstituts Forrester Research, anders als vielfach
vermutet, keinerlei Einfluss auf den Verkauf von Musik-CDs. Die
Behauptung der Musikindustrie, der Umsatzrückgang von 15 Prozent in
den letzten zwei Jahren sei auf den illegalen Tausch im Internet
zurückzuführen, konnte in einer Untersuchung nicht bestätigt werden.
Kein Schaden für Musikindustrie
