18.08.2002

POPKOMM 2002

Bildquelle: ORF Infodesign

Musikbranche hat den CD-Blues

Die Kölner Musikmesse "Popkomm" ist am Wochenende mit einem Besucherrückgang von 14 Prozent und einem Ausstellerrückgang von fünf Prozent zu Ende gegangen. Die Größen der deutschen und internationalen Musikbranche hatten sich wie jedes Jahr getroffen, "um ihre Sorgen und Forderungen an die Politik zu formulieren", wie es Thomas M. Stein von BMG Europa ausdrückte.

Die Sorgen der Musikkonzerne sind rückgehende Absatzzahlen, deren Ursachen man in der "privaten Vervielfältigung von CDs und der Internetpiraterie¿ sucht [Zitat Peter Zombik, Deutscher Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft].

Die Forderungen sind derweil recht einfach: härtere Gesetze gegen illegale Kopien. Derzeit könne man nicht einmal gegen Computerzeitschriften vorgehen, die über die Möglichkeiten des Knackens oder Umgehens von Kopierschutzmaßnahmen berichteten, wurde auf der Messe beklagt.

Das Millionengeschäft

Mit den im Vorjahr in Deutschland verkauften 177 Millionen Tonträgern ist die Branche nicht glücklich. Obwohl der Umsatz mit Tonträgern laut einer Studie [siehe unten] genauso wie das Merchandising, Konzertveranstaltungen, Werbeverträge und andere Geschäftsfelder vom Trend zum Filesharing nicht betroffen ist, klagt man über angeblich 182 Millionen illegal kopierte CDs im Jahr 2001 in Deutschland.

Derweil können die von den fünf Businessgrößen Universal, Sony, Warner, Capitol [vormals EMI] und BMG betriebenen Internetangebote "Pressplay" und "Musicnet" nur von Amerikanern genutzt werden.

Universal hat im Popkomm-Vorfeld die Site popfile.de gestartet, wo 5.000 Songs für je 99 Cent zum Download angeboten werden.

"Der Run auf popfile hat in den ersten Tagen den Server abstürzen lassen", berichtete Universal-Deutschland-Chef Tim Renner. Sein Kollege Bernd Dopp von Warner Music will indes wissen, woran es mangelt: "Nur ein plurales, Label-übergreifendes Angebot im Netz ist letztendlich attraktiv für den Konsumenten", meinte er.

Schnelle Hits statt Nachhaltigkeit

Nicht ganz so laut wissen auch die Plattenbosse von Versäumnissen der Industrie zu berichten: Die Pflege des Künstlerrepertoires sei vernachlässigt worden. In den für die Musikindustrie hervorragenden 90er Jahren habe man auf kurzlebige, aber profitable Hits gesetzt und den Aufbau langfristig attraktiver Acts unterlassen.

Um Fans [und somit Käufer] zu binden, müsse nun das so genannte A&R-Geschäft [Artist & Repertoire, Aufbau, Betreuung und Entwicklung von Künstlern] wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden