TV für die Playstation-Generation
Von Großbritanniens 26 Millionen Haushalten verfügen 32 Prozent über einen Internet-Anschluss, aber 33 Prozent über digitales Fernsehen. Ein international einmaliger Spitzenwert.
Doch nicht nur beim Verbreitungsgrad von digitalem Fernsehen, sondern auch bei der Entwicklung dazugehörender interaktiver Inhalte präsentiert sich die Insel als führend.
Nachzügler bei Breitband-Internet
Großbritanniens Führungsposition im Bereich interaktives
digitales Fernsehen [iDTV] wurde allerdings erst möglich, weil das
Land bei der Anzahl der privaten Internet-Anschlüsse weit unter dem
amerikanischen und europäischen Durchschnitt liegt. Auch im Bereich
Breitband präsentieren sich die Briten als Nachzügler im
internationalen Vergleich. Weil der Ausbau von Internetzugängen
durch den Monopolisten British Telecom lange Zeit verzögert worden
ist, sind viele Briten auf interaktives digitales Fernsehen
ausgewichen, das neben Fernsehprogrammen auch einfache
Internet-Funktionen wie etwa E-Mail anbietet.
Großbritannien als iDTV-MusterlandPionier des interaktiven Fernsehens
Zu den großen Vordenkern und Visionären bei der Entwicklung interaktiver Inhalte für das digitale Fernsehen zählt der englische Graphiker Malcolm Garrett. Seit der Mitte der 70er Jahre gilt Garrett unter Designern mit seinen Arbeiten als richtungsweisend.
Garrett war es auch, der als einer der Allerersten Anfang der 90er Jahre den Übergang vom klassischen Design für Printmedien zum bildschirmgestützten New Media-Design vollzogen und propagiert hat.
1996 war die von Malcolm Garrett gegründete Firma AMX für die Abwicklung von 80 Prozent aller Webcasts in Europa verantwortlich. Vor ein paar Jahren hat Garrett den Geschäftsschwerpunkt von AMX in Richtung interaktives digitales Fernsehen verlegt.
Garrett bemängelt fehlende Interaktivität im Denken
"Im Moment ist interaktives digitales Fernsehen nicht viel mehr
als Video-On-Demand. Es bietet die Möglichkeit, eine Sendung nicht
zu der von der Fernsehanstalt vorgebebenen, sondern zu jeder
beliebigen Zeit anzusehen. Es gibt daneben auch eine Reihe von sehr
erfolgreichen interaktiven Angeboten - interaktives Cricket oder
Wimbledon zum Beispiel. Man sieht zu wie Pete Sampras stundenlang
gegen jemanden spielt und kann dabei vielleicht die Kameraposition
auswählen oder irgendwelche Zusatzinformationen und Statistiken
abrufen. Aber auch das ist nicht wirklich interaktiv, sondern bleibt
linear."
Garretts Firma AMX im PortraitGeneration Playstation
Gegenwärtig sieht Garrett die Weiterentwicklung von interaktiven Inhalten auch durch das Fehlen einheitlicher technologischer Standards und Plattformen blockiert:
"Für mich ist die Playstation das einzige wirklich interaktive Fernsehen, das es zurzeit gibt. Die Playstation steht im Wohnzimmer und sie bietet nicht irgendwelche Auswahlmenüs und Video-On-Demand, sondern ermöglicht eine direkte Interaktion mit dem auf dem Bildschirm gezeigten Programm.
Für die Generation, die mit der Playstation aufwächst, wird es völlig normal sein, auf Knopfdruck in Sendungen oder Programmabläufe einzugreifen."
matrix, 22:30 Uhr, Ö1
Mehr darüber und über die Zukunftsperspektiven von interaktivem
Fernsehen erzählt Malcolm Garrett in einem Interview, das Richard
Brem mit ihm in London geführt hat. Zu hören heute Abend um 22:30
Uhr auf Ö1.
matrix - computer & neue medien
