17.08.2002

PREIS & WERT

Bildquelle: ORF

UMTS-Lizenzwert erneut in Frage gestellt

Die Ankündigung der Versteigerung einer GSM-Lizenz auf Zypern ist auf den ersten Blick nichts Besonderes. Auf den zweiten Blick merkt man jedoch, dass es hier auch eine auffällige Entscheidung in Sachen 3G getroffen wurde.

Derzeit gibt es im griechischen Teil Zyperns nur ein GSM-Netz [CyTA]. Heuer noch soll die Versteigerung einer zweiten GSM-Lizenz erfolgen, in etwa drei Jahren eventuell die einer dritten.

Das Besondere daran ist, dass jeder Inhaber einer zypriotischen GSM-Lizenz, eine UMTS-Lizenz gratis bekommt. Er muss nur versprechen, binnen zehn Jahren ein 3G-Netz auf der Insel zu errichten.

Die Versteigerungsbedingungen für GSM

Um für die GSM-Lizenz bieten zu können, muss man einige Bedingungen erfüllen. Jedenfalls ausgeschlossen sind die türkischen Unternehmen Turkcell und Telsim, da diese Mobilfunknetze im türkisch besetzten Teil der Insel betreiben.

Der Lizenznehmer muss garantieren, binnen zweier Jahre 50 Prozent der Bevölkerung zu versorgen und mit dem bisherigen Monopolisten CyTA National Roaming anzubieten. CyTA muss derweil genauso viel an die Regierung überweisen, wie der neue Konkurrent.

Nach drei Jahren [oder auch früher, wenn das neue Mobilfunkunternehmen 25 Prozent Marktanteil erreicht haben sollte] plant man, eine dritte GSM-Lizenz zu begeben.

Sankt Nimmerlein

Zehn Jahre im Telekommunikationsmarkt gleichen einer Ewigkeit. Als Vergleichsmaßstab mag man die Zeitspanne zwischen dem Höhepunkt des UMTS-Hype und der Ernüchterung in der Branche heranziehen.

Die Bedingung des Netzaufbaus binnen einer Dekade entspricht also beinahe einer Festlegung auf den sprichwörtlichen Sankt-Nimmerleins-Tag. Hauptsache überhaupt und irgendwann.

Natürlich versucht man auf Zypern mit dem Angebot einer kostenlosen 3G-Lizenz noch in diesem Jahr höhere Einnahmen im Zuge der GSM-Lizenzvergabe zu lukrieren.

Doch ist der Schritt auch ein sicheres Anzeichen dafür, dass sich niemand darum reißt, ein UMTS-Netz auf der Urlaubsinsel zu betreiben.

Vergleichswerte

In Deutschland erzielte die Regierung mit der Versteigerung der letztendlich sechs UMTS-Lizenzen Einahmen von 50,5 Milliarden Euro. Die Lizenzen kosten die Unternehmen und Konsortien zwischen 8,37 und 8,48 Milliarden Euro. Dies wurde bereits damals als "wirtschaftlicher Wahnsinn" bezeichnet.

Hierzulande hatte die Auktion für ebenfalls sechs Lizenzen gerade 0,83 Milliarden Euro "eingespielt".

Am billigsten ist tele.ring zur einer 3G-Lizenz gelangt: Im April hat der derzeit kleinste GSM-Funker die Option auf die von Ex-Eigentümer Mannesmann ersteigerte Lizenz gezogen - um gerade mal einen Euro.