RealNetworks plant eigenen Porno-Kanal
Obwohl Marktforscher dem bezahlten Web-Content eine rosige Zukunft prognostizieren und laut Studien auch die Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft der Nutzer steigt, kommt das Geschäft mit den Online-Inhalten nicht richtig in Gang.
Nur das Geschäft mit der Erotik im Internet läuft wie geschmiert. Im Jahr 2001 konzentrierten sich 70 Prozent der Gesamtausgaben für kostenpflichtige Online-Inhalte [252 Mio. Euro] auf Sex-Content.
Nun überlegt auch RealNetworks, in das lukrative Erotik-Business einzusteigen und seinen Abo-Dienst um einen Porno-Kanal zu erweitern.
155-prozentige Steigerung im Vergleich zum Vorjahr
Laut einer aktuellen Studie haben die US-Bürger in den ersten
drei Monaten dieses Jahres 300 Mio. USD für Web-Content ausgegeben.
Das bedeutet eine 155-prozentige Steigerung im Vergleich zum
Zeitraum des Vorjahres.
Immer mehr bezahlen für Web-ContentReal fürchtete Image-Verlust
Obwohl die Streaming-Server von RealNetworks schon jetzt gegen Lizenzgebühren von diversen Sex-Seiten genutzt werden, wollte sich Real selbst bis jetzt nicht die Hände mit dem Pornogeschäft schmutzig machen.
Diese Handhabe reflektiert genau die Image-Problematik des Erotik-Business: Das Geschäft mit dem Sex blüht zwar, die großen Publisher wollen aber nichts mit dem Schmuddelkram zu tun haben.
Und auch wenn ein gebührenpflichtiger Porno-Kanal im TV-Geschäft schon lange kein Problem mehr ist, gestaltet sich die Sache im Internet weit schwieriger.
"Wenn man ein angesehenes Unternehmen führt, muss man es sich zuerst überlegen, welchen Einfluss der Einstieg ins Erotik-Geschäft auf andere Bereiche hat. So wird man zum Beispiel kaum mehr Inhalte von konservativen Quellen wie Disney bekommen", erklärt der Analyst Phil Leigh.
RealOne SuperPass mit 750.000 Abonnenten
Ende August wurde der Abo-Service RealOne SuperPass in Europa
gestartet. Gegen eine Gebühr von 14,99 Euro monatlich werden Video-
und Audio-Streams aus verschiedenen Bereichen angeboten.
International soll der Service 750.000 Abonnenten aufweisen.
RealOne SuperPass startet in EuropaErotik-Projekte gescheitert
Auch andere Unternehmen haben ihre Pläne in dieser Richtung wieder begraben oder verschoben. Im April 2001 entschloss sich Yahoo nach zahlreichen Beschwerden von Konsumenten, jegliche Erotik-Produkte und -werbungen von seiner Seite zu verbannen.
Die Suchmaschine Ask Jeeves begann im Jänner 2000 mit den Vorbereitungen für eine eigene Suchmaschine für Porno-Seiten. Unter den Adressen "asksex.com" und "askadult.com" sollten Besucher mit Hilfe der Avatarin Mimi die Erotik-Angebote des Internets durchsuchen können. Doch auch dieses Projekt wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
Und auch RealNetworks bleibt vorsichtig. Vize-Präsident Dave Richards erklärte, man sei zwar bereits mit mehreren Audio- und Video-Anbietern im Gespräch, um sein Angebot auszubauen. Ein "Kanal für Erwachsene" sei dabei noch nicht sicher, man wolle sich die Möglichkeit aber auf jeden Fall offen halten.
