Bürgerwehr gegen Spammer
Die Empfänger von Spam-Mails schlagen zurück. Auf diversen Seiten werden Spammer vorgeführt und Selbstjustiz geübt.
Auf manchen sind sogar Bilder sowie genaue Wohnadressen und Telefonnummern angegeben. Wütende Spam-Adressaten melden sich daraufhin persönlich bei den angeführten Personen und machen ihrem Ärger Luft. Manche Spammer erzählen auch von Mordrohungen oder Rehherzen via Post.
Doch Spamming ist für die ausführenden Personen nichts weiter als ein gut gehendes Geschäft und ein Sinnbild für die freie Wirtschaft, ermöglicht durch das Internet.
Bei Spamhaus.org sind Dutzende von Spammern aufgezählt. Sie sollen für 90 Prozent der Spammails in den USA verantwortlich sein, so der Direktor von Spamhaus.org.
Spamhaus.orgBesonders Tom Cowles, der Chef von Empire Towers, hat es der Betreiberin von "Toledocybercafe" angetan. Bilder von ihm, einer Verhaftung und Auflistungen über seine Autofahrten sind dort zu finden. Seit Jänner 2001 betreibt sie ihr "Hobby", seit März desselben Jahres verfolgt sie die Spuren von Cowles.
Toledocybercafe12 Mio. USD mit Spam pro Jahr
Cowles verdient nach eigenen Angaben im Jahr zwölf Mio. USD, indem er Werbung verschickt, die keiner bestellt hat.
Und das ohne viel Aufwand: Ein Kunde, der Penisvergrößerer oder Antennenverstärker für Handys verkaufen will, meldet sich bei Cowles. Er schreibt daraufhin ein reißerisches Werbemail und mithilfe spezieller Software und seiner Adressensammlung schickt er die Spamwelle los. Wenn einer von tausend Empfängern bestellt, bekommt Cowles Geld.
Schwunghafter Handel mit E-Mail-Adressen
Spammer treiben untereinander einen schwunghaften Handel mit
E-Mail-Adressen. Dabei wird bis zu einem USD pro Adresse bezahlt.
Die häufigsten Quellen sind öffentlich zugängliche Foren auf
Websites und Newsgroups. Die unliebsamen Massenmailer setzen
spezielle Software ein, die dort laufend nach neuen Adressen
fahndet.
Wie Spammer E-Mail-Adressen traden"Robin Hoods" des US-Kapitalismus
Die Spammer sind sich keiner Schuld bewusst, sie sehen sich selbst als die "Robin Hoods des US-Kapitalimus", weil sie großen Firmen Paroli bieten.
"Das ist das Marketing-Instrument der Zukunft. Niemand kommt daran vorbei", so Cowles. Er kann mithilfe seiner Software bis zu einer Milliarde Mails pro Kunde verschicken.
Dass er dabei die Mailboxen der Empfänger und die Bandbreite seines eigenen ISPs [Internet Service Provider] belegt und sich damit den Ärger der betroffenen Personen einhandelt, sieht er eher gelassen.
Viel mehr zu schaffen macht ihm die Filter-Software, die eingesetzt wird um Spammails zu verhindern. Auch Sites wie Spamhaus.org, die Spammer ausfindig machen und deren ISPs verständigen, bereiten ihm Kopfzerbrechen.
Spamfilter für MS Outlook
Das US-Start-up Cloudmark bietet mit "SpamNet" eine Erweiterung
für Microsoft Outlook an, mit der Spam-Mails wirkungsvoll
aussortiert werden sollen. 75 Prozent der Spam-Mails sollen durch
die Zusammenarbeit der User über das P2P-Netzwerk abgefangen werden
können.
Software gegen SpamKosten und Klagen
"Meine Kosten sind dieses Jahr um 1.000 Prozent gestiegen, nur um herauszufinden, wie ich Spamfiltersoftware umgehen kann", so ein Mitstreiter Cowles. Vor fünf Jahren noch habe er 30 Mio. Mails pro Tag verschickt und damit 10.000 USD pro Tag verdient, heute kommen nur noch ein Fünftel oder weniger an.
Und es dauert nur wenige Tage, bis die Spamhasser die dazugehörige Website ausfindig machen und die ISPs, die ihr Geschäft nicht verlieren wollen, dazu bringen, die Seiten zu sperren. Manche Spammer geben sich aber so leicht nicht geschlagen und drohen daraufhin ihrerseits mit Klagen gegen die ISPs.
Regelung gefordert
Spammer und Spamgegner sind sich in einem Punkt einig: Die USA
brauchen ein Spam-Bundesgesetz. Damit hoffen die Spammer, aus der
Grauzone herauszukommen, die Spamgegner, dass die Flut der Mails auf
wirklich verlangte reduziert wird.
US-Regierung gegen Spam"Es ist Krieg"
Der Direktor von Spamhaus.org glaubt, dass damit 90 Prozent der unerwünschten Mails verschwinden und nur eine kleine Hard-Core-Gruppe über bleiben werde, die sie "in Angriff" nehmen werden.
Die Spammer geben sich unbeeindruckt: "Es herrscht Krieg. Lasst sie weiter hysterisch sein. Ich treffe entsprechende Vorkehrungen und werde weitermachen", so ein Spammer.
