06.08.2002

"WAN GIRI"

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Neues Betrugsmodell für Handys

In Japan ist eine neue Betrugsform mit Mobiltelefonen in großem Schwange. Geschädigt dabei werden nicht nur Kunden, mehrere große Netzausfälle der letzten Wochen gehen auf das Konto des so genannten Wan-Giri-Betrugs.

Doch da es noch keine rechtlichen Regelungen gegen dieses Betrugsmodell gibt, sind den Mobilfunkbetreibern gesetzlich noch die Hände gebunden.

Computergesteuert werden nach dem Zufallsprinzip Handynummern angewählt und nach einmaligem Läuten wird automatisch aufgelegt.

Bei Rückruf Telefonsex

Die Betrüger rechnen damit, dass neugierige Handy-User ihrem Anruf in Abwesenheit nachgehen und umgehend zurückrufen. Im Fall des Rückrufs erwarten den Nutzer schlüpfrige Tonbanddienste und saftige Telefongebühren.

3.000 Anrufe pro Minute

Im Durchschnitt wird jeder Japaner einmal pro Woche von den Betrügern belästigt.

Doch die Wan-Giri-Anrufe rauben den 70 Millionen mobil telefonierenden Japanern nicht nur den Schlaf und das Geld sondern stellen auch eine Bedrohung der Netze der Mobilfunkbetreiber dar.

Ein Handynetz in Oska wurde im Juli gleich zweimal durch 3.000 computergenerierte Anrufe pro Minute lahmgelegt.

Vor allem Marktführer Nippon Telegraph and Telephone [NTT] ist von den Attacken betroffen.

"Herausforderung für die Gesellschaft"

Von den japanischen Medien werden die Wan-Giri-Attacken als extrem aggressiv und beleidigend gewertet. Die konservative Zeitung "Yomiuri" sieht die Angriffe als "Herausforderung für Japans Gesellschaft" und vergleicht die Betrüger mit Motorrad-Gangs, die die Straßen unsicher machen.

Auch in der Regierung nimmt man die Bedrohung ernst und plant ein neues gesetzliches Regelwerk dafür zu schaffen.

Denn gerade die rechtliche Grundlage fehlt den Mobilfunkbetreibern bei der Jagd nach den Betrügern.

NTT kann inzwischen nur einzelnen Nutzern kündigen, die eine Gefahr für die Stabilität des Netzes darstellen.

"Fun Calls" in DE

Mit einem anderen Geschäftsmodell, den "Fun Calls", versuchen Unternehmen in Deutschland derzeit den Jugendlichen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Auf Bestellung rufen die Unternehmen Freunde, Lehrer oder Eltern an, und nehmen diese kräftig auf den Arm, während die Jugendlichen selbst auf einer anderen Leitung mithören können.

Meist werden lediglich Tonbänder in schlechter Qualität kostenpflichtig abgespielt. Den Auftraggeber erwarten dabei Kosten um die 40 Euro pro Angebot.

Die Verbraucherschützer wollen nun gegen derartige Angebote vorgehen.