04.08.2002

BARCODES

Bildquelle: ORF

Die ungeheure Macht des Strichs

Der gemeine Strich könnte im digitalen Zeitalter neue Höhenflüge erleben. Das amerikanische Unternehmen AirClic hat eine Plattform für mobile Anwendungen von Strich- und Zahlencodes entwickelt.

Die Bandbreite der denkbaren Anwendungen scheint dabei schier unendlich und könnte durchaus zu einem Ertragspfeiler der nach sinnvollen Anwendungen dürstenden UMTS-Betreiber und anderer Anbieter mobiler Datenverbindungen werden.

AirClic bietet nicht nur mobilen Zugriff auf Daten, sondern will diese auch für praktisch jedes mobile Endgerät darstellbar aufbereiten. Die futureZone hat sich die AirClic-Produkte angesehen und stellt einige vor.

So funktioniert AirClic

Das System baut auf sogenannten SmartCodes auf. SmartCodes sind Zahlenreihen, denen in der AirClic-Datenbank bestimmte Bedeutungen zugeordnet sind.

Diese SmartCodes können nun von praktisch jedem mobilen Gerät als Strichcode eingelesen, als Zahlencode eingetippt oder über ein Spracherkennungssystem diktiert werden. Je nach eingegebenem Code werden fast beliebig definierbare Aktionen ausgelöst, wie zum Beispiel Informationen übermittelt oder Daten in eine Datenbank gespeichert.

Alle Arten von Daten sollen, und das ist das besondere Feature von AirClic, vom System automatisch für das jeweilige mobile Endgerät optimiert dargestellt werden.

Derzeit arbeiten Entwickler daran, die Software für Kameraphones [wie etwa Ericssons T68i oder Nokias 7650] dergestalt zu optimieren, dass mit solchen Handys die SmartCodes ohne eigenen Scanner eingelesen werden können.

Schulschwänzer aufgepasst

In Boston haben die öffentlichen Schulen eigene Truant officers, die laufend durch die Stadt patrouillieren, um Schulschwänzer aufzuspüren.

Diese Patrouillen wurden im April mit Mobiltelefonen und AirClic-Scannern ausgestattet. Wenn sie ein verdächtiges Subjekt aufspüren, scannen sie dessen Schülerausweis und haben sofort zugriff auf die Akte des Zöglings.

Dadurch ersparen sie sich das tragen eines fast 15-Zentimtere dicken Wälzers, welcher Informationen über die rund 63.000 Schüler der öffentlichen Schulen der Metropole enthalten hatte.

Naturgemäß stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Ansatzes zur Bekämpfung des Schulschwänzens für AirClic nicht. Man ist froh, einen Kunden für das Produkt gewonnen zu haben.

Doch Peter Wiechmann, General Manager von AirClic Germany, gesteht ein: "Ein typisch amerikanisches Projekt." So etwas sei in Europa undenkbar, allein schon wegen des Eingriffes in die Privatsphäre.

BeelineShopper

Komfort, Gesundheit und Sparen [Gleich drei Dinge auf einmal!] will das BeelineShopper-Projekt vereinen.

Der Kunde scannt die Strichcodes jener Produkte, die er zu Hause hat[te] und nachkaufen möchte. BeelineShopper hat eine Datenbank voll mit Produktinformationen und den dietätischen Vorgaben des Kunden.

Die Software gibt nicht nur automatisch Hinweise auf Sonderangebote dieses oder gleichartiger Produkte, sondern macht auch Vorschläge, was der Nutzer statt dem bisher gekauften in Zukunft erwerben soll, weil es seinen dietätischen Bedürfnissen besser entspricht.

Genvägen

Im schwedischen Halmstad versucht man im Rahmen des Genvägen-Pilotprojektes [ Genvägen ist schwedisch für "Abkürzung"] ein AirClic-optimiertes Umfeld zu schaffen.

4000 Familien sind mit den Scannern ausgerüstet worden. Jede Woche kommt eine Broschüre mit Angeboten und Informationen lokaler und nationaler Firmen.

Die Halmstader können mit Hilfe ihrer Scanner Bestellungen aufgeben, auf weiterführende Informationen zugreifen oder Tische in Restaurants reservieren.

Ganz anders die Bedürfnisse der lokalen Heimpflegerinnen. Sie nutzen die Technologie nicht nur, um ihr Eintreffen und bei einer betreuten Person beziehungsweise das Verlassen der Wohnung derselben zu registrieren, sondern können mit Hilfe der mobilen Geräte und Codes auch auf die Krankenakte und bisherige Medikationen der Patienten zugreifen. Auf diese Weise werden Angaben zu Folge rund 135.000 Euro im Jahr gespart.

Aufgrund der Erfolge mit dem Pilotprojekt, soll es noch heuer erweitert werden. Eine spezielle ¿SmartCode¿-Edition der schwedischen gelben Seiten soll ebenso gedruckt werden, wie eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Bildungs- und Sportorganisationen auf die Beine gestellt werden wird.