Urheberrecht, Palladium und Microsoft
65 Prozent der Jugendlichen sind es inzwischen gewohnt, Songs als MP3-Files oder in sonstigen digitalen Formaten aus dem Netz zu laden.
Zugleich gehen die CD-Verkäufe in den meisten nationalen Märkten zurück und ähnliche Trends zeichnen sich im Filmbereich ab.
"Die Frage ist, setzt die zulässige Privatkopie eine legale Vorlage voraus? Wenn man davon ausgeht, dass überwiegend rechtswidriges Musikmaterial im Internet zu haben ist, dann könnte es sein, da gehen die Meinungen auseinander, dass die Privatkopie unzulässig ist", meint Michel Walter, Professor für Internationales Privatrecht und Urheberrecht an der Universiät Wien.
Heimische Musikindustrie unter DruckTechnische Kontrollsysteme
Geht es nach dem Willen der Medienindustrie soll in jedes Gerät vom PC bis zum portablen Musik-Player eine digitale Rechteverwaltung implementiert werden. Führt die Abrechnung einzelner Musik- und Filmtitel in den Überwachungsstaat?
"So wie sich Microsoft das Digital Rights Managementsystem 'Palladium' vorstellt, ist es die weltweite Infrastruktur zur Überwachung der Konsumenten", meint Viktor Mayer-Schönberger, Professor für "Public Policy" an der Havard University.
"Die Frage ist, ob wir wollen, dass ein doch sehr großes Wirtschaftsunternehmen in unsere Wohn- und Schlafzimmer hineingelassen wird."
Microsofts Masterplan für "sichere" PCsDer Preis der Sicherheit
Zunächst klingt Palladium wie die Antwort auf die Forderungen zahlloser Kritiker und Anwender: Windows soll endlich sicherer werden. Doch sicher für wen? Unter Palladium werden sich geschützte Songs ohne ausdrückliche Erlaubnis des Rechteinhabers überhaupt nicht mehr kopieren lassen, da das Betriebssystem schon den Versuch blockiert.
"Man kann sich auch ein DRM-System vorstellen, das anonym ist, das mit sogenannten Tokens arbeitet", meint Viktor Mayer-Schönberger, der vor kurzem in Zürich eine Konferenz mit dem Titel "Information Ownership & Control" geleitet hat. Interessant sei aber, dass keiner der großen Anbieter an einem Token-basierten System arbeitet.
"Hier geht es um ein ganz klares Machtproblem, will ich ein DRM-System schaffen, das den Benutzer fördert - ich glaube ja - oder will ich ein DRM-System schaffen, das dem Unternehmen, das im Zentrum des Systems steht, alle Macht zumisst? Und ich denke, hier müssen wir extrem vorsichtig sein, wen wir unsere Zukunft anvertrauen."
Information Ownership & ControlHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Schon im Jahre 1996 hat die WIPO, die World Intellectual Property
Organization vorgegeben, wie der Schutz des sogenannten "Geistigen
Eigentums" in Zukunft weltweit umgesetzt werden soll. Erstmals
implementiert wurden diese Vorstellungen in den USA im "Digital
Millenium Copyright Act". Im Sommer letzten Jahres folgte dann die
EU mit ihrer Richtlinie zum Urheberrecht in der
Informationsgesellschaft. Österreich soll wie alle anderen Staaten
in der EU die Vorgaben bis Ende dieses Jahres in nationales Recht
umsetzen. Welche Veränderungen sind zu erwarten? Und wie wird man
die als Konsument mitbekommen? Ist "Digital Rights Management" eine
Belästigung anständiger Konsumenten? Und gibt es sinnvolle
Alternativen zum bestehenden Urheberrecht? Michel Walter und Viktor
Mayer-Schönberger, zwei renomierte Urheberrechtsexperten,
diskutieren diese Fragen in matrix.
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