Blair sucht Erfolgsrezept des Silicon Valley
Der britische Premierminister Tony Blair, der sich derzeit auf US-Visite befindet, ist am Wochenende mit IT-Managern der höchsten Riege zusammengekommen, um das Erfolgsrezept des Silicon Valley zu ergründen. Die Erkenntnisse sollen der britischen Wirtschaft helfen.
Eine Stunde lang standen ihm dabei Branchengrößen wie Apple-Chef Steve Jobs, Mark Hurd [Hewlett-Packard], John Chambers [Cisco], Hector Ruiz [AMD] und Jonathan Schwartz [Sun] bei einem Essen Frage und Antwort.
Blair selbst nannte das Silicon Valley bei seinem Besuch "eine der dynamischsten Gegenden auf der Welt" und zeigte sich neugierig, wie die Region das Unternehmertum fördert.
Keine Risikoscheu
Die Tech-Größen erklärten Blair, dass ein Mitgrund für den großen Erfolg des Silicon Valleys die hohe Risikobereitschaft sei. Gleichzeitig werde Versagen nicht als etwas Negatives rezipiert, sondern als Erfahrung, die einen stärker macht.
"In den USA und speziell im Silicon Valley ist es so: Wenn man ein Risiko eingeht und scheitert wird man noch interessanter und wertvoller, weil man etwas gelernt hat.", so die Meinung von Sun-Chef Jonathan Schwartz.
Anfang des Jahres hat auch ein österreichisches Unternehmen den Sprung ins Silicon Valley geschafft: Der Voice-over-IP-Anbieter Jajah aus Wien rief den US-Investor Sequoia Capital auf den Plan und brachte eine Millionen-Finanzspritze.
Andere Einstellung in Europa?
Seiner Erfahrung nach sei die Einstellung dazu in Europa komplett anders und Risiken würden anders betrachtet.
Auch Adobe-Chef Shantanu Narayen pflichtete dem bei: "Schauen Sie sich die Menschen in diesem Raum an: Die meisten von uns haben schon mehrmals die Firma gewechselt und jeder von uns hatte wahrscheinlich schon mindestens einen Misserfolg - sei es eine Fehlinvestition oder eine Firmengründung. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, unsere Firmen zum Erfolg zu führen."
Enge Verbindung zu Unis
Schwartz nannte als weiteren wichtigen Grund für die Bedeutung des Silicon Valleys auch die enge Verknüpfung mit den Universitäten in der Region.
Die High-Tech-Industrie wuchs rund um die Stanford Universität, viele Unternehmen haben auch enge Verbindungen mit Berkeley, der Universität von Kalifornien.
Der Begriff Silicon Valley wurde 1971 von einem US-Journalisten aufgebracht, weil zu dieser Zeit vor allem Chiphersteller und computeraffine Firmen dort heimisch waren.
Kritik der britischen Opposition
Blairs Besuch im Technologie-Mekka der USA war wohl eine Reaktion auf die Vorwürfe der britischen Opposition, warum England keinerlei Internet-Riesen wie etwa Yahoo und Google hervorgebracht habe.
Seine Kommentare wurden von britischen Wissenschaftlern heftigst kritisiert. Sie betonten, dass einige sehr aufregende Unternehmen sich von den Universitäten her abzeichneten.
Blair kommentierte den Staus quo seines Landes vor den Tech-Größen so: "Wir versuchen auf unsere eigene Weise sicherzustellen, dass Großbritannien ein dynamisches und innovatives Land ist".
(futurezone | AP | Reuters)
