Kultobjekt Sowjet-Rechenmaschinen
Über 130 verschiedene sowjetische Rechenapparate enthält die Sammlung von Andrew Davie aus der tasmanischen Hauptstadt Hobart.
Der Australier hat nicht nur Beeindruckendes - selbverständlich via Internet - zusammengetragen, sondern die Geschichte der Rechentechnologie des zu seiner Zeit größten Landes der Erde beschrieben.
Und auf einmal erscheinen dem virtuellen Besucher die Kulissen von Raumschiff Enterprise mit den mechanischen Druckknöpfen geradezu futuristisch. Im Gegensatz zur NCC-1701 funktioniert so mancher der Sowjet-Rechenknechte bis heute.
Emulate it!
Doch nicht nur Bilder und technische Details der aus heutiger
Sicht für eher simple Berechnungen geschaffenen Geräte finden sich
auf der Website des Australiers, sogar für Emulationsprogramme
werden präsentiert: "Mir wurden einige wundervolle Emulatoren
sowjetischer Rechner [B3-18A, B3-25A, B3-21, B3-34, MK-52, MK-54,
MK-56, MK-61] gezeigt. Falls Sie jemals einen russischen
Taschenrechner programmieren wollten, aber dachten, Sie würden nie
einen in die Hände kriegen - dann ist das DIE Software für Sie!" Ja,
wer wollte das nicht schon lange...
MOSCOW - Museum Of Soviet Calculators On the WebStroboskopisches Display
Vor 1960 gab es klarerweise rein mechanische Rechenapparate. In den 60er Jahren wurden sie elektromechanisch, aber keineswegs unbedingt kleiner oder leichter.
Tischrechner mit über 200 Tasten oder die ziemlich "kranke" Entwicklung eines "Thyrotron-powered spinning Stroboscopic Display" lassen ehemalige Besitzer von in Armbanduhren eingebauten Taschenrechnern staunen.
Welchen Lärm muss wohl eine mit 1500 U/min rotierende Trommel gemacht haben, deren einzige Aufgabe es war, ein paar Ziffern auf ein Display zu werfen?
Kompliziert Dividieren mit der Bystritsa-2
DIVISION; 625 / 25 = 25. Enter the dividend 625 in the keyboard. Depress the quick-shift key [-:-]. Depress the plus key [+]. Enter the divisor 25 in the keyboard. Depress the quick-shift key [-:-], depress the division key [DIV] and the minus key [-]. When the machine stops automatically, write down the red figure in the quotient window to the right of the register, in this case "2"; this is the first digit of the result. Depress the return key [-..]. When the machine stops automatically, write down the red figure in the quotient window - this time "5", which is the next digit of the result. If there is a remainder, continue to depress the return key [-...] until you have the required number of decimals. NOTICE; If, due to misoperation, the machine does not stop automatically during division, stop it by depressing the clearance key [C]. [Eckdaten der Bystritsa-2: Baujahr 1974, Energieverbrauch von 40 Watt bei 220 Volt.]
Nachbauten
Industriespionage wurde natürlich auch betrieben. Die Elektronika B3-04, Nachbau eines Sharp EL-805 aus 1974, gilt als der Heilige Gral für Sammler sowjetischer Taschenrechner.
Dass man im "Proletarierparadies" aber keineswegs auf den Kopf gefallen war, zeigt nicht nur ein für Schulen entwickeltes Modell, welches aus Sicherheitsgründen eine obskure Stromversorgung von 42 Volt benötigt, sondern auch die Entwicklung von eigenen Programmen [aus Mangel an Speicher auf Tonbändern untergebracht] oder den Umbau eines Modells in ein Notklingel-System in einem Leningrader Krankenhaus.
Hyper-Hegel
Das Kapitel sowjetischer Taschen- und Tischrechner darf getrost
als abgeschlossen betrachtet werden. Doch in der letzten bestehenden
Enklave der UdSSR wurde kürzlich die neueste örtliche Errungenschaft
der modernen Computertechnik präsentiert: der Hyper-Hegel.
Mehr über den Hyper Hegel
