Nokia und Nintendo sind Piraten-Hits
Zollbeamte der Europäischen Union haben im Jahr 2001 mehr gefälschte Markenwaren als je zuvor entdeckt.
Die Zöllner beschlagnahmten an den Außengrenzen der EU rund 95 Millionen eingeschmuggelte Artikel, berichtete die EU-Kommission. Das waren 39 Prozent mehr als im Vorjahr und 900 Prozent mehr als im Jahr 1998. Den Wert dieser Waren schätzten Experten auf mehr als zwei Milliarden Euro.
Der Anstieg sei vor allem auf die besseren Kontrollen zurückzuführen, berichtete die EU-Kommission.
Gefälschte Waren machen laut OECD-Studien rund fünf bis sieben Prozent des Welthandels in einem Wert von 250 Milliarden Euro jährlich aus und kosten bis zu 200.000 Arbeitsplätze in Europa. Die Fälscher arbeiten offenbar immer professioneller. Es werde immer schwieriger, die Herkunft der Produkte zu ermitteln, schreibt die Kommission. Am häufigsten werden sie per Flugzeug befördert. Der Löwenanteil stammt aus Thailand [23 Prozent], gefolgt von China, der Türkei und Hong Kong.
Musik und Filme
Bei 42 Millionen der beschlagnahmten Produkte oder rund der Hälfte handelte es sich um Konsumprodukte des täglichen Lebens wie Autobestandteile, Medikamente, Haarwaschmittel, Briefmarken, Kondome oder elektrische Haushaltsgeräte.
An zweiter Stelle folgten Raubkopien von CDs und Videokassetten mit einer Zunahme um 349 Prozent gegenüber 2000 und drastischen 15.330 Prozent gegenüber 1999.
In Österreich vergeben Musik- und Sorftwareindustrie unregelmäßig "Anti Piracy Awards" an besonders erfolgreiche Zollbeamte.
Zollbeamte gegen Software- und MusikpiratenNokia und Nintendo
Bei den digitalen Geräten, die die EU-Zöllner letztes Jahr konfiszierten, zeichnen sich nach Kommissionsangaben deutlich zwei "Hits" ab: Zum einen sind dies Nokia-Handys zum anderen Nintendo-Spielgeräte.
In der Kategorie der elektronischen Geräte führt Nokia mit 52 Prozent aller beschlagnahmten Gegenstände oder 530.000 gefälschten und vom Zoll entdeckten Handys.
Damit übertrifft die Zahl der Nokia-Handys die zusammengenommene der beschlagnahmten Mobiltelefone von Ericsson, Siemens und Motorola um das fünffache.
In der Spielzeugkategorie, zu der auch Spielkonsolen gehören, führt Nintendo mit 48 Prozent aller entdeckten Fälschungen. Den insgesamt 750.000 Nintendo-Produkten stehen dabei keine nennenswerten Mengen von Sony- oder Microsoft-Konsolen gegenüber.
Die Zahlen dürften sich dabei vor allem durch die Beliebtheit der Gameboys bei den Produktpiraten erklären.
Verbände der Wirtschaftsbereiche Musik, Film, Video und Software haben erst im April einheitliche gesetzliche EU-Regelungen gegen Produkt- und Online-Piraterie gefordert.
EU-Gesetz gegen Produkt-Piraterie gefordert
