25.07.2002

INTELLIGENZ

Bildquelle: orf on

"KI" für Alzheimer-Patienten

Forscher der University of Washington [UW] unter der Leitung von Henry Kautz haben ein Projekt initiiert, bei dem "intelligente" Software eingeschränkte geistige Kapazitäten von Alzheimer-Patienten kompensieren soll.

Ziel des Projekts, an dem auch Intel und Elite Care beteiligt sind, ist die Entwicklung eines Netzwerkes aus digitalen Geräten und drahtlosen Sensoren. Diese sollen in Heimwänden, Möbeln sowie der Kleidung von Alzheimer-Patienten angebracht werden, diese überwachen und bei Bedarf Hilfe anbieten.

Verhaltensmuster speichern

Der "Compass" besteht aus einen Palm Pilot, einem GPS-Receiver und einem Funk-Modem. Mit der Zeit soll das System die typischen Abläufe des Patienten "erlernen", Veränderungen erkennen und entscheiden, ob Hilfe notwendig ist.

Kautz erklärt das System anhand des Vorhabens des Patienten, einen Bus zu erreichen: "Das Gerät registriert, dass der Bus in fünf Minuten eintrifft, die Geschwindigkeit des Patienten aber zu langsam ist, um diesen zu erreichen. Das Gerät erklärt daraufhin, dass sein Besitzer entweder schneller gehen soll, oder dass er den Bus mit größter Wahrscheinlichkeit versäumt."

Anschließend fragt das Gerät, ob es eine alternative Route vorschlagen soll. Durch die Auflistung von Entscheidungsmöglichkeiten kann der Patient eine Antwort geben. Das Gerät ist so gestaltet, dass es aus den Interaktionen mit dem Träger lernt und sich an die Verhaltensänderungen im Zuge des Erkrankungsfortschritts anpasst.

Aktuell trägt ein Student den "Activity Compass". Die Informationen, die das Gerät während Alltagserledigungen erhält, werden wöchentlich downgeloadet. Dadurch soll das Gerät für die Zukunft "trainiert" werden. Kautz hofft, dass der Compass nach dem Sommer einsatzfähig ist.

"Intelligentes" Heim

Das zweite Projekt ist der "Adaptive Promper". Das System überwacht den Patienten in und um das Haus und besteht aus einem Sensoren-Netzwerk.

Zurzeit wird es in einem Heim mit 60 Patienten eingesetzt. Dort überwacht und nimmt es Aktivitäten in den eigenen vier Wänden des Patienten und am Heimgelände auf. Das System öffnet z.B. in Abhängigkeit von der Bewegung des Heiminsassen Türen und schaltet das Licht ein.

Derzeit bleibt allerdings auch für Kautz die Frage offen, ob eine "künstliche Intelligenz" flexibel, glaubwürdig und "klug" genug ist, um die Betreuung durch einen Menschen zu ersetzen.

Kautz wird das Projekt nächste Woche auf der Jahreskonferenz der American Association for Artificial Intelligence in Alberta vorstellen.