Chinesische Web-Portale unter Beschuss
Internationale Platten-Labels holen derzeit zu einem neuen Schlag gegen die Musik-Piraterie in China aus.
Sie verlangen von drei chinesischen Web-Portalen, dass sie einen neuartigen, kostenpflichtigen Musik-Service mit dem Namen "Song Dedication" wegen Urheberrechtsverletzung stoppen.
Raubkopier-Boom in China
Der Handel mit illegal kopierten Musik-CDs hat im vergangenen
Jahr um fast fünfzig Prozent zugelegt. Insgesamt sollen weltweit 950
Millionen Raubkopien im Wert von 4,3 Milliarden USD [knapp 4,6
Milliarden Euro] verkauft worden sein. An den Pranger stellt die
IFPI vor allem Länder wie China, Indonesien, Russland, Mexiko und
Brasilien. Dort gebe es riesige Fabriken, in denen illegal Kopien
gepresst und dann weltweit auf den Markt geworfen würden.
Handel mit Musik-Raubkopien nimmt zu50 Cent für einen musikalischen Anruf
Über die Homepages der betroffenen Unternehmen können sich User einen Song aussuchen, der auf das Handy eines Freundes geschickt wird. Der Freund erhält dann einen Anruf, bei dem der gewünschte Titel ein Mal abgespielt wird.
Besonders populär bei den Musik-Bestellungen ist der Titelsong zu "Titanic" von Celine Dion [seit Jahren ein Megaseller in China] aber auch Musik von der Pop-Diva Faye Wong aus Hongkong oder der taiwanesischen Boygroup F4 wird angeboten. Jeder Titel kann für umgerechnet 50 Euro-Cent online bestellt werden.
Ein Portal hat Dienst bereits eingestellt
Eines der Portale, Sohu.com, hat sein Service bereits
eingestellt, behält sich aber vor, den Dienst nach Klärung der
Angelegenheit wieder zu starten. Auch das Konkurrenz-Portal Sina.com
zieht in Betracht, sein Service zu stoppen. Das aus Hongkong
betriebene dritte Portal Tom.com war für eine Stellungnahme nicht zu
erreichen.
Sina
SohuEntschuldigung und Entschädigung oder Klage
Der internationale Phono-Verband IFPI, der die Platten-Labels Sony, AOL Time Warner, Vivendi Universal, EMI Group und Bertelsmann repräsentiert, forderte die drei Unternehmen auf, das "Song Dedication"-Service sofort einzustellen, da ausschließlich seine Mitglieder die Rechte an den Titeln halten.
Die IFPI verlangt weiters eine finanzielle Entschädigung und eine formelle Entschuldigung bei den Rechte-Inhabern, andernfalls werde man den Rechtsweg beschreiten und Klage gegen die Betreiber einreichen.
Streitwert von vier Millionen Euro
Es wird geschätzt, dass die drei Portale in den letzten Monaten
insgesamt 52 Millionen Yuan [6,2 Millionen Euro] mit den 1.100
abrufbaren Songs eingenommen haben. "Wir wissen zwar nicht genau,
wie viel Gewinn damit erzielt wurde, aber nach unseren Berechnungen
sind es mindestens vier Millionen Euro. Und kein einziger Cent davon
wurde an die Musikindustrie abgeführt", erklärt ein Sprecher in
Peking.
IFPISongs nur 0,3 Prozent der Einnahmen
Eine Verteterin von Sohu bestreitet diese Angaben.
Für Sohu komme die Klagsandrohung vollkommen überraschend, da man nach eigenen Angeben über einen Agenten einen Vertrag über die Lizenzvergabe schloss, der wiederum einen Vertrag mit der China Music Copyright Association, einer Non-Profit-Organsiation, habe.
Außerdem mache die Musik-Bestellung nur einen geringen Prozentsatz der Gesamteinnahmen aus. Im zweiten Quartal 2002 soll dieser 0,3 Prozent von insgesamt 6,1 Millionen Euro, also 18.300 Euro, betragen haben.
Laut IFPI haben die Website-Betreiber jedoch keinerlei rechtliche Genehmigung, die Musik-Titel zu verwenden.
