Weltmarktführer Vodafone in Troubles

25.07.2006

Für Arun Sarin, Geschäftsführer des größten Mobilfunkunternehmens der Welt, verspricht der heutige Tag besonders heiß zu werden. Sarin muss vor den Aktionären Jahresverluste von 25 Mrd. Euro verantworten. Gestern kam der designierte Europachef von Vodafone überraschend abhanden, die beteiligten Investmentfonds sind "not amused".

In der Aktionärsversammlung des größten Mobilfunkunternehmens der Welt sind heute Troubles angesagt, es handelt sich nämlich um die erste Aktionärsversammlung, seitdem Vodafone Ende Mai einen Jahresverlust von 25,1 Milliarden Euro bekannt geben musste.

In der Hauptsache verantwortlich dafür sind massive Abschreibungen auf dem europäischen Markt, insbesonders bei der deutschen Tochter, hieß es Ende Mai.

Geplante Neuorganisation ...

Als Reaktion auf die Verluste hatte Sarin eine grundsätzliche Neuorganisation der Vodafone-Geschäfte in Europa bekannt gegeben. Für diesen wettbewerbsintensiven Markt wurde Bill Morrow, der nacheinander Vodafone England und Japan geführt hatte, ausersehen.

In einem ziemlich ungewöhnlichen Schritt ist Sarin gestern vor die Presse getreten und hat einen Tag vor der Aktionärsversammlung verkündet, dass Morrow nun doch nicht für die Position des Europachefs zur Verfügung stehen wird.

... ohne Organisator

Morrow werde das Unternehmen vielmehr mit Ende dieses Monats verlassen, teilte Sarin der erstaunten Presse gestern mit. All das fügt sich in das Bild, das die Kritiker vom Unternehmen Vodafone zeichnen. Zwar ist die Wachstumsstrategie des nunmehrigen Mobilfunkriesen aufgegangen. Alleine dort, wo wegen Sättigung des Markts bereits deutlich andere Strategien angesagt sind, ist die Performance des Unternehmens durchwegs schwach.

Mobilfunk als fixe Idee

Vor allem die über Jahre vollständige Fixierung auf das Mobilfunkgeschäft hat etwa in Deutschland zu einer absurden Situation geführt. Vodafone rangiert im Mobilfunk nur knapp hinter dem Platzhirschen T-Mobile, im Festnetzbereich hält man 73,65 Prozent an Arcor, dem einzigen großen Herausforderer der Deutschen Telekom im Festnetz.

In Zeiten von "Quadruple Play" - Kombinationspaketen aus Mobilfunk, Breitband, Digital-TV und Internet - operieren diese beiden Geschäftsbereiche noch immer völlig getrennt: Es gibt kein Kombi-Angebot von Vodafone Deutschland, das über den Mobilfunkbereich hinausgeht.

Ein Knieschuss und kein Angriff

Gerade hier wäre es jahrelang gut möglich gewesen, die Deutsche Telekom wirksam anzugreifen. Die hatte sich nämlich mit der Abtrennung des gesamten Internet-Bereichs samt nachfolgendem Börsengang der T-Online selbst ins Knie geschossen. Erst jetzt, nach der erfolgten, sehr mühsamen Reintegration, kommen die Kombi-Angebote.

Die Zahlen, die Sarin gestern vorab bekannt gegeben hat, sind zwar recht ordentlich, doch Dynamik, Wachstum und höhere Profitabilität spiegeln sie nicht eben wider.

Bescheidene UMTS-Umsätze

Mit 186,8 Millionen Kunden [Ende Juni] ist man zwar weiterhin unangefochten Weltmarktführer im herkömmlichen Mobilfunk, nicht aber im höherwertigen UMTS-Geschäft. Vodafone hat nur 9,1 Millionen UMTS-Kunden, während etwa UMTS-Spezialist Hutchison 3G mit seinen vergleichsweise kleinen nationalen Netzen bereits an die 15 Millionen Kunden weltweit betreut.

Dementsprechend bescheiden nehmen sich die Umsätze aus, die jenseits der Telefoniedienste von Vodafone eingefahren werden. 12,5 Prozent stammen von SMS, gerade einmal fünf Prozent der Gesamtumsätze werden mit Downloads und anderen Datendiensten lukriert.

Lästige Investmentfonds

Angesichts dieser wenig zukunftsweisenden Zahlen haben Anteilseigner wie Morley Fund Management schon angekündigt, gegen Sarins Wiederwahl zu stimmen. Morley hält zwar nur 2,1 Prozent von Vodafone.

Wenn allerdings die Investmentfonds beginnen, lästig zu werden, dann hat das meist mittelfristig recht schwer wiegende Folgen für das oberste Management des jeweiligen Unternehmens zur Folge gehabt.

Bei Vodafone kann das besonders leicht schlagend werden. Von Fidelity bis Barclays PLC halten alleine vier große Fonds über 15 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien.

(futurezone | bloomberg tv | telecoms.com)