Abmahnungen für Filmtauscher
Nach den Musikkonzernen versuchen nun auch die Hollywood-Studios, den Austausch von Filmen oder Serien über das Internet zu stoppen.
Die Filmindustrie will die Fehler der Musikkonzerne nicht wiederholen, die erst zu Hochzeiten von Napster auf das File-Sharing-Problem aufmerksam wurden und bis heute keine Lösung zur Musikpiraterie gefunden hat. Über Napster wurden in Spitzenzeiten über eine Milliarde Songs pro Tag verteilt.
Dank immer mehr Breitband-Internet-Zugängen und verbesserten Kompressionstechnologien wird neben Musik auch immer mehr Filmmaterial ausgetauscht. Nach aktuellen Schätzungen werden täglich zwischen 400.000 und 600.000 Kinohits aus dem Internet heruntergeladen.
MPAANeue Waffe: Software sucht nach Filmtauschern
Mit der Software des US-Unternehmens Ranger Online will man nun den Filmtauschern auf die Spur kommen. Das Programm durchforstet Tauschbörsen wie Gnutella nach urheberrechtlich geschütztem Material, und übermittelt die Treffer inklusive der IP-Adresse der Anbieter an die Filmstudios.
Über die IP-Adresse wird der jeweilige ISP bestimmt und von der MPAA [Motion Picture Association of America] kontaktiert. Die Provider sind auf Grund des "Digital Copyright Millenium Acts" dazu verpflichtet, den Zugriff auf urheberrechtlich geschütztes Material zu unterbinden, sobald sie über einen solchen Fall informiert werden.
Der User erhält dann unangenehme Post von seinem Provider, indem er aufgefordert wird, das urheberrechtlich geschützte Material binnen 24 Stunden zu löschen. Wird das beanstandete Material nicht in der geforderten Zeit gelöscht, droht eine Sperre des Internet-Zugangs.
50.000 Abmahnungen bis jetzt im Jahr 2002 verschickt
Im Jahr 2001 wurden 54.000 solcher E-Mails verschickt, die Zahl
soll sich 2002 verdoppeln. Allein bis Ende Juni 2002 wurden bereits
50.534 Abmahnungen versandt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf
Universitäten gelegt, da die Internet-affinen Studenten meist
schnelle Leitungen und jede Menge Zeit zum Downloaden zur Verfügung
haben.
Musikindustrie soll Tauschbörsen hackenFehlalarm durch Ranger-Software
Die Abmahnungen der Filmindustrie sind natürlich keineswegs populär.
Kritisiert wird vor allem die Funktionsweise der Software, die ja nach urheberrechtlich geschützen Titeln fahndet. Mögliche Fehlerquelle dabei: Nennt man sein selbstgedrehtes Heimvideo zum Beispiel "Simpsons" und bietet dieses zum Tausch an, schlägt die Software Alarm.
Für Ken Jacobsen von der MPAA steht jedoch fest, dass das Ranger-Programm so gut wie nie falsch liegt. "Im Zuge der Abmahnungen kam es nur bei zwei Personen zu Beschwerden. Sie behaupteten, wir hätten uns geirrt,", sagt Jacobsen. "Aber ich denke, wir haben uns auch da nicht geirrt."
Client für anonymen Datentausch
Erst diese Woche wurde ein neuer Peer-to-peer-Client angekündigt,
der den Usern mehr Anonymität garantieren soll. "Flyster" soll es
erlauben, anonym Files downzuloaden, nur wer Daten anbietet, kann
aufgespürt werden. Völlig anonyme File-Sharing-Netzwerke sind
derzeit noch in der Entwicklungsphase.
Tauschbörsen-User im Visier der RIAALerneffekt durch Abmahnungen
Ob die Abmahnungen letztendlich auch zu einem Erfolg führen, kann Jacobson zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen.
Jedoch hoffe sein Verband auf einen Lerneffekt der Nutzer durch solche E-Mails.
Im Katz-und-Maus-Spiel zwischen Industrie und Tauschbörsen-Usern um die Urheberrechte ist also auch in nächster Zeit kein Ende in Sicht.
