15.07.2002

NEW WEAPON

Bildquelle:

Abmahnungen für Filmtauscher

Nach den Musikkonzernen versuchen nun auch die Hollywood-Studios, den Austausch von Filmen oder Serien über das Internet zu stoppen.

Die Filmindustrie will die Fehler der Musikkonzerne nicht wiederholen, die erst zu Hochzeiten von Napster auf das File-Sharing-Problem aufmerksam wurden und bis heute keine Lösung zur Musikpiraterie gefunden hat. Über Napster wurden in Spitzenzeiten über eine Milliarde Songs pro Tag verteilt.

Neue Waffe: Software sucht nach Filmtauschern

Mit der Software des US-Unternehmens Ranger Online will man nun den Filmtauschern auf die Spur kommen. Das Programm durchforstet Tauschbörsen wie Gnutella nach urheberrechtlich geschütztem Material, und übermittelt die Treffer inklusive der IP-Adresse der Anbieter an die Filmstudios.

Über die IP-Adresse wird der jeweilige ISP bestimmt und von der MPAA [Motion Picture Association of America] kontaktiert. Die Provider sind auf Grund des "Digital Copyright Millenium Acts" dazu verpflichtet, den Zugriff auf urheberrechtlich geschütztes Material zu unterbinden, sobald sie über einen solchen Fall informiert werden.

Der User erhält dann unangenehme Post von seinem Provider, indem er aufgefordert wird, das urheberrechtlich geschützte Material binnen 24 Stunden zu löschen. Wird das beanstandete Material nicht in der geforderten Zeit gelöscht, droht eine Sperre des Internet-Zugangs.

Fehlalarm durch Ranger-Software

Die Abmahnungen der Filmindustrie sind natürlich keineswegs populär.

Kritisiert wird vor allem die Funktionsweise der Software, die ja nach urheberrechtlich geschützen Titeln fahndet. Mögliche Fehlerquelle dabei: Nennt man sein selbstgedrehtes Heimvideo zum Beispiel "Simpsons" und bietet dieses zum Tausch an, schlägt die Software Alarm.

Für Ken Jacobsen von der MPAA steht jedoch fest, dass das Ranger-Programm so gut wie nie falsch liegt. "Im Zuge der Abmahnungen kam es nur bei zwei Personen zu Beschwerden. Sie behaupteten, wir hätten uns geirrt,", sagt Jacobsen. "Aber ich denke, wir haben uns auch da nicht geirrt."

Lerneffekt durch Abmahnungen

Ob die Abmahnungen letztendlich auch zu einem Erfolg führen, kann Jacobson zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen.

Jedoch hoffe sein Verband auf einen Lerneffekt der Nutzer durch solche E-Mails.

Im Katz-und-Maus-Spiel zwischen Industrie und Tauschbörsen-Usern um die Urheberrechte ist also auch in nächster Zeit kein Ende in Sicht.