14.07.2002

THE DO RON RON

Bildquelle: fuZo

"Debakel, Blamage, Posse"

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Deutschland AG ist tot, es lebe die Schröder AG. Kein Gedanke mehr an die Mahnung eines früheren SPD-Kanzlers, der Staat könne nicht Reparaturbetrieb des Kapitalismus sein.

Keine Spur mehr von einer Politik der ruhigen Hand. Angesichts anhaltend hoher Arbeitslosigkeit rund siebzig Tage vor der Wahl lässt Schröder überall dort eingreifen, wo Wahlsieggefährdungen drohen. Bei der Telekom gerät die Intervention jedoch zum Debakel - für das Unternehmen, für die Bundesregierung als Großaktionär und für das Ansehen des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Kölner Stadt-Anzeiger

Das Krisenmanagement bei der immer noch wesentlich in Staatsbesitz befindlichen Telekom hat sich als Debakel für Schröder erwiesen.

Er rückte von Sommer ab, ohne einen Nachfolger parat zu haben. Mit Gerd Tenzer rückt nun voraussichtlich ein Mann an die Spitze des Konzerns, der fast 60 ist

Bild

Seitdem sich Millionen um den Börsenkurs der T-Aktie sorgen, entdeckt die Politik plötzlich auch den Aktionär. "Wird aber auch Zeit", könnte man sagen.

General-Anzeiger

Trauerspiel oder Posse? Wie immer man das Drama um die Telekom-Führung auch nennen mag - in jedem Fall ist das Stück, dessen letzter Akt derzeit zu besichtigen ist, eine Demonstration desaströser Stümperei.

Verzweifelt versucht die Bundesregierung, sich aus der Veranwortung zu stehlen. Gebetsmühlenartig verweist sie auf die Kompetenz des Aufsichtsrates, die sie de facto doch selbst beschnitten hat.

Sie hat Telekom-Chef Ron Sommer demontiert, ohne seine Nachfolge sichergestellt zu haben. Mit dem Geschiebe hinter den Kulissen hat sie zudem aller Welt deutlich gemacht, dass die Behauptung, die Telekom werde allein nach privatwirtschaftlichen Kriterien geführt, nur schöner Schein ist. Der Bund hält 43 Prozent des Kapitals. Entsprechend massiv (und in diesem Fall unheilvoll) ist der Einfluss, den die Politik auf das Unternehmen nimmt.

Neue Osnabrücker Zeitung

Die Bundesregierung hat sich bei der geplanten Ablösung von Ron Sommer als Telekomchef bis auf die Knochen blamiert.

Statt eines spektakulären Befreiungsschlags erlebt die Öffentlichkeit eine peinliche Kandidatensuche, obwohl der gescholtene Konzernboss noch weiter im Amt ist.

So werden alle Beteiligten beschädigt: Sommer, weil ihm die Führungskompetenz abgesprochen wird, sein möglicher Nachfolger Gerd Tenzer, weil er offenkundig nur eine Übergangslösung sein soll und vor allem die Beschäftigten und Aktionäre der Telekom, denn angesichts der jüngsten Querelen haben bereits zahlreiche Spitzenmanager eine Sommer-Nachfolge von vornherein ausgeschlossen.

Damit ist das Renommee dieses Postens dramatisch gesunken.

Abendzeitung München

Die gute Nachricht: Die Telekom kriegt einen neuen Chef. Die schlechte: Alles wird beim Alten bleiben.

Financial Times Deutschland

Mit dem Plan, Telekom-Chef Ron Sommer durch den bisherigen Technik-Vorstand Gerd Tenzer zu ersetzen, erreicht das Missmanagement einen neuen Höhepunkt.

Für die Variante Tenzer, die am Wochenende aggressiv lanciert wurde, spricht allein, dass sie politisch mehrheitsfähig wäre. Der ehemalige Ministerialbeamte gilt als sympathisches "Urgestein" aus den Zeiten, als das Unternehmen noch Deutsche Bundespost hieß.

Mit Tenzer würde es weder eine strategische Neuausrichtung noch einen Sanierungskurs geben. An den Kapitalmärkten, wo die gebeutelte T-Aktie neues Vertrauen gewinnen soll, ist Tenzer ein völlig unbeschriebenes Blatt

Die Kritik aus der Opposition ist jedoch scheinheilig: Die vermurkste Telekom-Personalie zeigt vor allem, wie dringend notwendig es ist, dass sich die deutsche Politik komplett aus Unternehmen zurückzieht.

Schwarzwälder Bote

Auch im vorletzten Akt des Schmierentheaters um die Telekom führt die Politik Regie: Weil kein geeigneter Ersatz in Sicht ist, zieht der Aufsichtsrat unter dem Druck des größten Aktionärs die Reißleine.