10.07.2002

.COM-PLEITE

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NextCard Visa-Karten wertlos

Auf der Höhe des .com-Hypes hatte NextCard versprochen, das amerikanische Kreditkartengeschäft zu revolutionieren. Kartenanträge wurden von dem Unternehmen online angenommen und binnen Sekunden bearbeitet.

Drei Jahre nach dem IPO und einem nachfolgenden zweiten Stock Offering, die zusammen 300 Mio. USD eingebracht hatten, sind 80 Prozent der rund einer Million unter dem Visa-Label ausgegebenen NextCards nun wertlos. Gleiches dürfte für die Anteilscheine des Unternehmens gelten.

Das inzwischen unter Aufsicht der Regulierungsbehörde stehende Unternehmen hat 200.000 Kundenkonten an eine Utaher Bank verkauft. Die übrigen 800.000 Konten müssen nun gesperrt werden.

Zitat von der Job-Seite [offline]

"To be successful you have to be open to new ideas and listen to your employees. And everyone here - especially the management - is open to hearing the new ideas."

Donna Fraud, NextCard "Employment Opportunities"

Verwirrung um Bonusprogramme

NextCard hatte stark auf Bonusprogramme gesetzt. Kunden konnten zwischen verschiedenen Programmen wählen, in denen sie für mit der Kreditkarte getätigte Umsätze Bonuspunkte gutgeschrieben erhielten.

Diese Punkte konnten in der Folge gegen Prämien eingetauscht werden. Konnten - denn mit der Pleite des Unternehmens sind auch die Bonuspunkte wertlos.

Möglicherweise mit einer Ausnahme: Eines der beliebtesten Bonusprogramme war jenes von Amazon. Ob die dort gesammelten Punkte eingelöst werden können, ist unklar, es gibt einander widersprechende Meldungen.

Visa sucht Ersatz

Visa hat bekanntgegeben, mit zwei namentlich nicht genannten Banken Übereinkommen getroffen zu haben. Diese Banken werden in den nächsten Tagen versuchen, die NextCard-Kunden zu "übernehmen".

Während die Kunden ihre entrichteten Jahresgebühren und gesammelten Bonuspunkte nicht nutzen können, müssen sie natürlich ihre ausständigen Rechnungen begleichen.

Die meisten Kunden werden aber nicht plötzlich ohne Plastikgeld dastehen. NextCard-User haben im Schnitt drei weitere Kreditkarten.

Marktbeobachter können derweil ein weiteres prominentes Opfer der Liste der .com-Pleiten hinzufügen.