10.07.2002

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Computernetz statt Fluglotsen

Das neue Flugsicherungssystem Free Flight könnte nach Expertenansicht das nach dem Unglück vom Bodensee in die Kritik geratene Lotsen-Kontrollverfahren künftig ersetzen.

Das System wird vor allem von US-Piloten favorisiert und beruht darauf, jedem Flugzeug eine via Computer-Netzwerk berechnete Direktflugroute zuzuweisen und auf Luftfahrt-Korridore zu verzichten. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner jüngsten Ausgabe.

Kritiker fürchten, dass es bei einem Computerausfall zur Katastrophe kommen könnte.

Weltweit verknüpftes Computernetzwerk

Für den Notfall ist ein Kollisionswarnsystem [TCAS] an Bord installiert, das bei Gefahr automatisch Ausweichmanöver vorgibt. Im jüngsten Unglücksfall befolgte der Pilot jedoch eine entgegengesetzte Lotsenanweisung.

Bei Free Flight soll dagegen ein weltweit verknüpftes Computernetzwerk die ständige Überwachung übernehmen: Vor einem Flug gibt der Pilot dort den Zielort und die geschätzten Reisezeiten an, um dann die optimale, zumeist direkte Flugroute zugewiesen zu bekommen.

Gefahr in Hardware-Schwäche

"Mit Free Flight wäre ein drohender Zusammenstoß 20 Minuten früher erkannt worden", sagt der United Airlines-Pilot Michael Baiada, der sich seit acht Jahren für das neue Flugsicherungssystem einsetzt. Kritiker hingegen sehen die Gefahr vor allem in Schwächen der Computer-Hardware.

Die deutsche Pilotenvereinigung "Cockpit" steht dem Projekt offen gegenüber: "Wir sagen nicht grundsätzlich nein, denn jede Entlastung der Fluglotsen ist uns recht", so Sprecher Georg Fongern. Seiner Ansicht nach wird es noch ein Jahrzehnt dauern, bis weltweit die technischen Voraussetzungen für Free Flight geschaffen sind. "Denn dieses System kann man nicht unilateral anwenden."