Sommer-Ablöse wird Wahlkampfthema
Angesichts neuer Spekulationen über eine baldige Ablösung von Telekom-Chef Ron Sommer hat Unions-Fraktionschef Friedrich Merz [CDU] am Wochenende Bundeskanzler Gerhard Schröder [SPD] aufgefordert, eindeutig Position zu beziehen.
Und Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber hat heute "angesichts der Kursschwäche der Deutschen Telekom-Aktie entschiedenes Eingreifen" von Schröder gefordert.
Das Magazin "Focus" hatte unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, die Bundesregierung wolle Sommer noch vor der Bundestagswahl im September ablösen. Schröder suche bereits intensiv nach einem Nachfolger für den Manager und habe seinen Plan am Donnerstag mit Finanzminister Hans Eichel [SPD] beraten.
Ablöse Sommers nur eine NachfolgerfrageWahlkampfgetöse
Ein Regierungssprecher kommentierte den Bericht mit den Worten: "Es ist nicht Sache des Bundeskanzlers, sondern des Aufsichtsrates, über Personalfragen zu entscheiden."
Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater sagte, sein Unternehmen habe keinerlei Hinweise aus der Regierung, dass so etwas geplant sei. "Das ist immer vor Wahlen ein jedes Mal wiederkehrendes Gerücht, das wir auch als solches einstufen."
Merz sagte am Samstag auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen CDU in Siegen, Schröder müsse den Spekulationen über die Zukunft der Telekom ein Ende setzen. Der Kanzler sollte es lassen, kurz vor der Wahl "einen Überraschungscoup landen zu wollen", sagte er. "Dieses Unternehmen mit seinen Kunden, Mitarbeitern und Aktionären steht für Wahlkampfzwecke nicht zur Verfügung."
Doch Wahlkampfzwecke
Stoiber hat unterdessen Schröder angesichts der Kursschwäche der Deutschen Telekom-Aktie zu einem entschiedeneren Eingreifen aufgefordert. Der Aktienkurs falle drastisch, während die Vorstandsgehälter erheblich gestiegen seien, sagte Stoiber in einem Streitgespräch mit Schröder in der "Bild"-Zeitung.
"Die Aktien gehen um 90 Prozent zurück, und auf der anderen Seite werden die Gehälter um 90 Prozent erhöht", kritisierte Stoiber. Derartige Entwicklungen würden von der Bevölkerung als außerordentlich ungerecht empfunden.
Hier müsse die Politik eingreifen, forderte Stoiber. Schröder entgegnete seinem Herausforderer, er wolle sich nur bei enttäuschten Kleinanlegern "einschmeicheln".
