Die "neue" EUnet ohne eigenes Glas
Das Providergeschäft ist keine Wissenschaft mehr. Heute muss man weniger über Netzwerke
Wissen, dafür mehr über Masseverwalter. Die Zeiten haben sich geändert.
Das weiß auch Herbert Herdlicka, der jetzt gerade wieder ins Providergeschäft eingestiegen ist. 10 Jahre nach der Erstgründung der EUnet GmbH kommt EUnet Österreich neu.
Keinen eigenen Backbone mehr
Neu und überraschend an der "neuen" EUnet ist weder das Team, noch die Ausrichtung. Neu ist, das der Glasfaserbackbone von KPNQwest Herbert Herdlicka heute nicht mehr interessiert. Mitgenommen hat er nur die gemieteten Leitungen der Telekom Austria.
Es gibt genug Kabel
Derzeit, so Michael Haberler, formals EUnet und jetzt im Vorstand der Internet Privatstiftung Austria, werden nicht viel mehr als 1 Prozent der verlegten Glasfaserkabeln benutzt.
Am Markt gibt es derzeit ein Überangebot an Bandbreite. Mit ein Grund, warum sich die Anbieter von Infrastruktur in Schräglage befinden. Die Annahme der 90er Jahre, dass mit mehr Internetnutzern auch das Geschäft der Bandbreite ständig wachsen werde, war falsch. Dazu kommen auch noch die Entwicklungen von neuen Technologien für alte Netze wie Wavelenght Division Multiplexing für Glasfaser oder DSL für Kupferleitungen.
Kabel sind nicht lukrativ
1993, 94, so Haberler, konnten mit Fernleitungen noch 30 bis 40 Prozent des Umsatzes eingespielt werden. Heute wird in dieser Branche damit vielleicht noch ein Gewinnanteil von 3 bis 4 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt.
Das Geschäft ist auch dann nicht lukrativ, wenn bereits die Kosten für Grabungsarbeiten oder Wegerechte wegfallen. Was bleibt sind Beleuchtung und Wartung. In der derzeitigen Marktsituation scheint selbst das für die Kabelbetreiber zu viel zu sein.
Die Situation sei vergleichbar mit der von Golfplatzerbauern, meint Herbert Herdlicka: Die erste Generation kann nur verlieren, der zweiten geht es vielleicht besser und erst der dritten richtig gut.
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