Verkaufsstart für indischen "Simputer"
Noch diesen Monat soll der indische "Simputer", ein Billig-Computer, der armen Menschen den Zugang zum Internet eröffnen und somit die digitale Kluft bekämpfen soll, erscheinen.
Allein in Indien leben zwar mehr als eine Milliarde Menschen - die wenigsten von ihnen haben aber einen Zugang zum Internet, denn im ganzen Land gibt es nicht mehr als sechs Millionen Computer.
Wartezeit ist vorbei
"Die Wartezeit ist so gut wie vorbei, jetzt sind wir in der
Startphase," erklärt Vinay Deshpande, Geschäftsführer von Encore
Software, eine der lizenzierten Firmen, die das Gerät herstellen.
Encore SoftwareVerzögerung durch Finanzierungsprobleme
Ursprünglich wurde der Simputer [Kurzform für Simple, Inexpensive and Multilingual comPUTER] bereits im April 2001 von der Non-Profit-Organisation Simputer Trust, die von Encore-Mitarbeitern und Professoren des angesehenen Indian Institute of Science gebildet wird, vorgestellt.
Doch Finanzierungsprobleme und Marketing-Belange haben die Produktion des Gerätes, das nicht nur für die ärmere Bevölkerung gedacht, sondern auch für High-End-User interessant ist, lange Zeit hinausgezögert.
Ein "Simputer" für die Dritte WeltTechnische Details
Der Simputer, der an einen Palm erinnert, verfügt über einen Intel-Prozessor, 32 oder 64 MB RAM und wird mit zwei AA-Batterien mit Strom versorgt. Als Betriebssystem kommt Linux zum Einsatz. Über eine Smart Card kann man gespeicherte Daten auch mit anderen Handheld-Besitzern austauschen.
Das Gerät verfügt darüber hinaus über einen berührungssensitiven Touchscreen, integrierte Sprachausgabe sowie ein Schrifterkennungsprogramm, einen nachgebauten Klon des patentgeschützten Xerox-Programms, das in Palm Pilots zum Einsatz kommt.
Kostet zwischen 220 und 485 Euro
"Während der Testphase haben wir herausgefunden, dass das Prinzip 'ein Computer für alle' nicht funktioniert, weil das nur eine mögliche Konfigurationsmöglichkeit zu einem festgesetzten Peis erlaubt," sagt Deshpande, der sein Technikstudium an der Stanford University in den USA absolviert hat.
"Jetzt produzieren wir eine ganze Palette an Simputern mit verschiedenen Konfigurationen und Preisen von 10.500 bis 23.000 Rupien [220 bis 485 Euro]."
Das Durchschnittseinkommen eines Inders beträgt 460 Euro.
Auf Preisniveau eines Farbfernsehers
Die Anschaffung eines PCs ist in Indien relativ kostspielig. Mit
220 Euro ist der Simputer ungefähr drei Mal billiger als ein
Desktop-PC und ungefähr auf dem Preisniveau eines günstigen
Farbfernsehers. Die PC-Verkäufe in Indien sind im letzten Jahr um
elf Prozent auf 1,67 Millionen gefallen. Die Entwicklung des
Simputers geht auf Anregung der indischen Regierung zurück.
Indischer Premierminister im NetzVerkaufsziel: 50.000 Stück bis Ende 2003
"Wir produzieren ungefähr 200 Simputer in diesem Monat und weitere 1.300 bis 1.400 bis September, um die ersten Vorbestellungen zu befriedigen," sagt Deshpande.
Ende 2003 will man ungefähr 50.000 Stück des Billig-Computers verkauft haben. Auch in den USA und Europa soll der Simputer verkauft werden.
