Misstrauen gegenüber Microsoft
Der zukünftige Leiter der Generaldirektion Wettbewerbspolitik bei der EU-Kommission, Philip Lowe, hat Microsoft davor gewarnt, mit seinem neuem Sicherheitskonzept "Palladium" Wettbewerber zu benachteiligen.
Denach liegt der Fokus des EU-Wettbewerbsverfahrens auf Interoperabilität und wird auch die Auswirkungen von "Palladium" berücksichtigen.
Kritiker befürchten, dass mit "Palladium"-Hard- und Software verschlüsselte Daten beispielsweise unter Linux- oder Apple nicht ohne Schwierigkeiten zu verarbeiten sein werden.
Dem widerspricht Microsoft zwar, klärt aber gleichzeitig nicht darüber auf, ob die Verschlüsselungs-Technologien lizenzpflichtig sein werden und Mitbewerbern so Nachteile entstehen könnten.
Philip Lowe löst zum 1. September als Leiter der Generaldirektion Wettbewerbspolitik bei der EU-Kommission den Deutschen Alexander Schaub ab. Damit wird er die rechte Hand von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti.
EU- vs. US-KartellpolitikMilliardenstrafe droht
Laut Lowe wird die EU ihr Kartellverfahren nicht vor Jahresende abschließen, die Entscheidung fällt also eindeutig nach der im US-Verfahren.
Anders als in den USA drohen Microsoft im EU-Kartellverfahren keine Auflagen, die das Geschäftsgebahren betreffen, sondern Geldstrafen, die bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes ausmachen können - im Fall von Microsoft mehr als zwei Milliarden Euro.
Mögliche Milliardenstrafe für MicrosoftDas "Palladium"-Programm
Microsoft verfolgt derzeit einen umfassenden Masterplan für sichere, bzw. kontrollierte PCs. Das "Palladium"-Programm geht dabei weit über die von Bill Gates verkündete "Trustworthy Computing"-Initiative hinaus und soll auch Hardware-Komponenten einbinden.
"Palladium" umfasst ein Paket aus Firewalls, Verschlüsselungs-Systemen für externe und interne Daten, Spam-Filter, ein Authorisierungs-System ["My Man"] und schließlich ein DRM-System [Digital Rights Management], das sowohl professionellen als auch privaten Anbietern zur Verfügung stehen soll.
Angeblich soll das neue Konzept erstmals in das nächste große Windows-Update, das 2004 erwartet wird, eingebunden sein.
Microsofts Masterplan für "sichere" PCsErste Maßnahmen
Nur Tage nachdem zum ersten mal von Microsofts zukünftigem Sicherheitskonzept berichtet wurde, hat der Konzern offensichtlich schon damit begonnen, "Palladium" umzusetzen:
Bei der Installierung eines General-Patch für den Windows Media Player, der am letzten Donnerstag veröffentlicht wurde und drei neue Sicherheitslücken schließt, muss Nutzungsbestimmungen [End User License Agreement] zugestimmt werden, die Microsoft das Recht einräumen, zukünftig ungefragt online ein Update auf dem Rechner des Nutzers zu installieren.
Dieses Update "von Betriebssystemkomponenten" soll den Schutz von Inhalten, die mit einem Kopierschutzsystem versehen sind [DRM, Digital Rights Management], unterstützen.
In den Nutzungsbestimmungen wird der User in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass durch das mögliche OS-Update die Möglichkeiten Inhalte abzuspielen bzw. zu kopieren eingeschränkt werden können.
Kopierschutz ungefragt auf dem PC
