02.07.2002

SICHERHEIT

Bildquelle: ms/waldt

Misstrauen gegenüber Microsoft

Der zukünftige Leiter der Generaldirektion Wettbewerbspolitik bei der EU-Kommission, Philip Lowe, hat Microsoft davor gewarnt, mit seinem neuem Sicherheitskonzept "Palladium" Wettbewerber zu benachteiligen.

Denach liegt der Fokus des EU-Wettbewerbsverfahrens auf Interoperabilität und wird auch die Auswirkungen von "Palladium" berücksichtigen.

Kritiker befürchten, dass mit "Palladium"-Hard- und Software verschlüsselte Daten beispielsweise unter Linux- oder Apple nicht ohne Schwierigkeiten zu verarbeiten sein werden.

Dem widerspricht Microsoft zwar, klärt aber gleichzeitig nicht darüber auf, ob die Verschlüsselungs-Technologien lizenzpflichtig sein werden und Mitbewerbern so Nachteile entstehen könnten.

Milliardenstrafe droht

Laut Lowe wird die EU ihr Kartellverfahren nicht vor Jahresende abschließen, die Entscheidung fällt also eindeutig nach der im US-Verfahren.

Das "Palladium"-Programm

Microsoft verfolgt derzeit einen umfassenden Masterplan für sichere, bzw. kontrollierte PCs. Das "Palladium"-Programm geht dabei weit über die von Bill Gates verkündete "Trustworthy Computing"-Initiative hinaus und soll auch Hardware-Komponenten einbinden.

"Palladium" umfasst ein Paket aus Firewalls, Verschlüsselungs-Systemen für externe und interne Daten, Spam-Filter, ein Authorisierungs-System ["My Man"] und schließlich ein DRM-System [Digital Rights Management], das sowohl professionellen als auch privaten Anbietern zur Verfügung stehen soll.

Erste Maßnahmen

Nur Tage nachdem zum ersten mal von Microsofts zukünftigem Sicherheitskonzept berichtet wurde, hat der Konzern offensichtlich schon damit begonnen, "Palladium" umzusetzen:

Bei der Installierung eines General-Patch für den Windows Media Player, der am letzten Donnerstag veröffentlicht wurde und drei neue Sicherheitslücken schließt, muss Nutzungsbestimmungen [End User License Agreement] zugestimmt werden, die Microsoft das Recht einräumen, zukünftig ungefragt online ein Update auf dem Rechner des Nutzers zu installieren.

Dieses Update "von Betriebssystemkomponenten" soll den Schutz von Inhalten, die mit einem Kopierschutzsystem versehen sind [DRM, Digital Rights Management], unterstützen.