Verwirrung um FT-Verstaatlichung
Die neue französische Regierung hat am Montag die Finanzmärkte mit widersprüchlichen Stellungnahmen zu einer möglichen Verstaatlichung der hochverschuldeten France Telecom überrascht. Die vorübergehend vom Handel ausgesetzten Aktien zogen unterdessen deutlich an.
"Eine Wiederverstaatlichung steht nicht auf der Agenda", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Eine solche Aktion werde derzeit nicht in Betracht gezogen. Eine anders lautende frühere Erklärung sei nicht korrekt gewesen, betonte der Sprecher.
Am Morgen hatte eine Sprecherin des Finanzressorts noch einen Bericht der "Financial Times" bestätigt, wonach die konservative Regierung wegen des aktuellen Kursverlusts der Aktien von France Telecom über eine Rückverstaatlichung des mehrheitlich noch staatlichen Unternehmens nachdenke. Die Regierung sei "sehr besorgt" über die Situation bei France Telecom. "Wir erwägen eine Wiederverstaatlichung, falls sich die Marktstimmung nicht ändert", hatte die Sprecherin gesagt.
France Telecom vor WiederverstaatlichungSpekulationen
An der Börse sorgten die mögliche Wiederverstaatlichung für einen Kurssprung der zuletzt abgestürzten Aktien von France Telecom. Die Papiere legten in der Spitze bis auf 12,02 Euro zu, mehr als 30 Prozent über dem Schlusskurs von Freitag und zogen auch andere Titel der Branche mit.
Die Aktie der Deutsche Telekom gewann in Frankfurt 6,11 Prozent auf 10,08 Euro.
Trotz des Dementis der Regierung behaupteten sich die France-Telecom-Aktien nach Wiederzulassung zum Handel gut, konnten ihr Tageshoch aber nicht halten. Am Abend kostete das Papier mit 11,82 Euro 25,34 Prozent mehr als Ende vergangener Woche.
Investoren sehen in den jüngsten Nachrichten neue Nahrung für die jüngsten Befürchtungen über eine kritische Finanz-Situation bei France Telecom. Eine erneute Verstaatlichung bedeute, "dass es keine andere Option mehr gibt, um einen Bankrott abzuwenden", sagte ein Investor. Bei einem internationalen Konkurrenten von France Telecom hieß es, das Unternehmen werde große Schwierigkeiten haben, frisches Kapital zur Refinanzierung zu bekommen. Die Rating-Agenturen Fitch und Moody's erklärten, eine Unterstützung der Regierung sei bereits in der Bonitäts-Einstufung des Unternehmens berücksichtigt.
