User markieren offene Funknetze
Drahtlose Netzwerke etablieren sich zunehmend auch in Unternehmen: Die neu gewonnene Mobilität und Flexibilität lässt die so genannten WLANs [Wireless Local Area Networks] zu einer interessanten Alternative reifen.
Doch keine Woche vergeht ohne neue Nachrichten über die Unsicherheit von Funknetzen. Da der Funkverkehr auch durch Mauern dringt, ist es leicht, Zugriff auf das Firmennetzwerk zu erlangen, ohne das Firmengebäude oder Büro direkt betreten zu müssen.
Mehrheit der Wiener WLANs ungeschützt
Eine im April durchgeführte Untersuchung von Ernst & Young in
Bezug auf das hohe Sicherheitsrisiko beim Einsatz von Wireless LANs
zeigt, dass bei der Mehrheit der österreichischen Unternehmen
zentrale Unternehmensdaten ungeschützt und damit frei zugänglich für
alle sind.
80 Prozent der Wiener WLANs ungeschütztSport: "War-Driving" und "War-Chalking"
Die Suche nach offenen drahtlosen Firmennetzwerken hat sich in den USA und in Großbritannien bereits zu einem Sport für Eingeweihte entwickelt. Das "War-Driving" genannte Ansteuern offener Wireless-LAN-Verbindungen erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Mittels "War-Chalking" halten die "War-Driver" nun genau fest, wo sich die ungesicherten Netzwerke befinden. Mit Kreide werden Symbole an Hauswände oder auf Gehsteige gemalt, um nachfolgende Hacker über die Existenz des offenen Netzes zu informieren.
Die Idee dazu hatte der Brite Matt Jones, der als frisch gebackener Besitzer einer WLAN-Karte einfach einmal ausprobieren wollte, was man damit alles anstellen kann. Und so, wie früher die Landstreicher Häuser markierten, in denen die Chancen auf eine warme Mahlzeit besonders gut waren, markieren Jones und viele andere nun offene WLANs.
"War-Driving": Mit dem Auto in fremde FirmennetzeDrei Symbole
Als Jones seine Idee auf seiner Homepage bekannt gab, wurden User und Medien darauf aufmerksam, und wenig später erwartete ihn eine wahre E-Mail-Flut an begeisterten User-Comments.
Mit deren Unterstützung entwarf er drei Symbole, eines bezeichnet ungeschützte Funknetzwerke, eines symbolisiert geschützten Netze, und das dritte Zeichen markiert durch das Sicherheitsprotokoll WEP [Wired Equivalent Privacy] mittels Verschlüsselung geschützte Knotenpunkte.
Homepage von Matt JonesKreide garantiert Aktualität
"Viele Leute haben mich gefragt, warum wir denn nicht Sticker oder Farbe aus der Spraydose verwenden," sagt Jones. "Aber gerade durch die Kreide muss man immer wieder herumgehen, um die Symbole zu erneuern, und so wird auch die Gültigkeit jedesmal überprüft, und die Zeichen bleiben aktuell und richtig."
Außerdem würden die Hausbesitzer auf die Kreide hoffentlich nicht gar so sauer reagieren wie auf Lackfarbe.
Linux-Graffitis in San Francisco
Damit bleibt ihnen wohl das Schicksal eines IBM-Angestellten
erspart, der als persönlichen Support für die IBM-Linux-Kampagne in
San Francisco 105 Mal "Peace, Love and Linux"-Graffitis hinterlassen
hatte. Er sprayte jeweils ein Peace-Zeichen, ein Herz und einen
Pinguin in dezentem IBM-Blau und wurde dafür mit 18.000 USD Strafe
bedacht. IBM übernahm zwar die Geldstrafe; der Mitarbeiter wurde
dennoch zu 30 Tagen "Arbeit für die Gemeinschaft" verurteilt.
18.000 USD Strafe für Linux-GraffitiPros & Cons
Einige Systemadministratoren haben zwar bereits ihre Bedenken zu dem Projekt geäußert, doch laut Jones soll es auch schon positive Reaktionen gegeben haben.
"Wenn ein Admin dieses Zeichen vor seiner Haustür sieht, ist er gewarnt und kann darauf reagieren. Ich habe schon einige E-Mails von Systemadminstratoren bekommen, die von der Idee begeistert waren und sich die Symbole sogar an die Wand hängen wollten," erzählt Jones.
Doch nicht nur die Administratoren beäugen das Projekt mit Misstrauen, auch Communities, die es sich zum Ziel gesetzt haben, WLANs voranzutreiben, sehen das Image durch die vermeintlichen Hacker-Aktivitäten geschädigt.
