Vertrauenskrise nach Kurssturz bei Vivendi
Nach einem spektakulären Kurssturz von Vivendi Universal an der Pariser Börse wird die Luft für den umstrittenen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Messier immer dünner.
Heute wurde bekannt, dass sich der Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH, Bernard Arnault, aus dem Verwaltungsrat von Vivendi zurückzieht. Damit verliert Messier dort einen wichtigen Rückhalt.
Die Aktie von Vivendi Universal büßte gestern 23 Prozent ein, nachdem Messier den Verkauf von Anteilen an dem Versorgungsunternehmen Vivendi Environnement angekündigt hatte. Analysten interpretierten dies offenbar als Zeichen dafür, dass der mit mehr als 30 Milliarden Euro verschuldete Konzern dringend Geld braucht.
Der Kurs fiel zum Börsenschluss am Montag auf 18,75 Euro, den tiefsten Wert seit 13 Jahren, und verlor seit Jahresbeginn insgesamt rund 70 Prozent. Bis heute Nachmittag erholte sich das Papier um 7,6 Prozent auf 20,2 Euro.
Vivendi Universal ohne WassersparteWachstum in der Kritik
Der Druck auf Konzernchef Messier hat sich mit dem "schwarzen Montag" an der Börse noch einmal erhöht. Investoren kritisieren seit Monaten die Strategie von Vivendi Universal, das Messier mit Milliardenaufkäufen in wenigen Jahren zur weltweiten Nummer zwei der Medienbranche gemacht hat.
Nach der Börsentalfahrt der Medienunternehmen waren Goodwill-Abschreibungen in Milliardenhöhe fällig. Anfang März wies Vivendi Universal deshalb einen Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro für 2001 aus.
Ende Mai stellte der Verwaltungsrat Messier eine Art Aufsichtsgremium zur Seite, das unter anderem von Vivendi-Großaktionär Edgar Bronfman Jr. geleitet wird.
"Le Parisien" zitierte einen Analysten, in dieser Zeit sei LVMH-Chef Arnault der große Rückhalt für den angeschlagenen Vorstandschef gewesen. Arnault habe aber mehrfach schriftlich Erklärungen von Messier zur Strategie des Konzerns angemahnt.
