Über Markt und Macht der Suchmaschinen
Wer nicht verlinkt ist, bleibt bei Google unauffindbar. Doch nicht nur die Macht über Sein oder Nicht-Sein, sondern auch die Werbe-Geschäftsmodelle der Suchmaschinenbetreiber stoßen auf Kritik.
Laut Geschäftsbericht betrugen die Werbeeinnahmen von Google bereits im ersten Quartal 2006 zwei Milliarden Dollar. Yahoo liegt mit 1,5 Milliarden nur knapp dahinter.
So hoch waren die Gewinne der Suchmaschinen noch nie. Kein Wunder, dass manche anfangen sich diesen Geschäftsbereich ein wenig genauer anzusehen. Nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Anwälte.
Klickbetrug spielt Suchmaschinen in die Hände
Erst Ende Juni kam es in Los Angeles zu einem Vergleich vor Gericht: Werbekunden hatten eine Sammelklage eingereicht, in der sie Yahoo vorwarfen, zu wenig gegen Klickbetrügereien zu unternehmen.
"Click fraud" nennt sich das Vergehen, bei dem Klicks nicht von potenziellen Kunden, sondern in betrügerischer Absicht generiert werden. Die Gewinne streifen dabei das Unternehmen Yahoo und seine Partner-Seiten ein. Zur Kassa gebeten werden die Werbekunden.
Abgerechnet wird pro Klick
Das Geschäftsmodell aller Suchmaschinen lautet: Abgerechnet wird pro Klick. Benjamin Edelman von der Harvard Law School brachte im Mai dieses Jahres eine weitere Sammelklage gegen Yahoo ein: In diesem Fall geht es um "Syndication Fraud", um den Vorwurf, dass die gebuchten "pay per click" Werbungen nicht so platziert wurden, wie von Yahoo versprochen.
Zwei Euro pro Klick
Die Seiten der Suchmaschinenanbieter sind eigentlich kein Ort im Netz, an dem man sich besonders lange aufhalten möchte. Trotzdem sind diese Seiten für Werbungen aller Art interessant.
Lukrativ für Search Engines ist der gesponserte Link. Dabei werden Suchbegriffe an den Meistbietenden versteigert. 50 Euro beträgt der Grundbetrag bei Yahoo, den man dafür bezahlt, um bei der Auktion dabei zu sein.
Je beliebter ein Stichwort ist und je höher man gereiht werden will, umso teurer kommt ein Wort und damit der Link. Die Bezeichnung "Security" zum Beispiel ist manchen Firmen bereits zwei Euro pro Klick wert. Nicht gerade billig.
Der Unmut der Werber
Bei diesen Preisen ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Unmut unter den Werbern und so genannten "Suchmaschinenoptimierern" breit macht.
Aber es geht nicht nur um den Preis. Für Aufregung sorgt bei manchen Firmen auch die Erkenntnis, dass sie für Online-Werbung bei Suchmaschinen nicht nur viel Geld bezahlen müssen, sondern dabei auch ihren Ruf ruinieren können: Indem die Suchmaschinen ihre Werbung auf einer mit Viren und Trojanern verseuchten Seite auftauchen lassen.
Der wachsenden Macht der von amerikanischen Firmen betriebenen Suchmaschinen wollen die Europäer, um mit ihren Inhalten nicht ins Hintertreffen zu geraten, nun eine eigene Suchmaschine gegenüberstellen. Frankreich und Deutschland haben schon die Initiative ergriffen, "quaero" soll die europäische Suchmaschine heißen.
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Bei der Tagung unter dem Titel "Macht der Suchmaschinen" der Friedrich Ebert-Stiftung in Berlin ging es weniger um Suchalgorithmen, sondern um Geld und um die verlorene Privatheit. Mariann Unterluggauer war mit dabei und berichtet über die "Macht der Suchmaschinen".
~ Link: Energieschub für Europas Suchmaschine "quaero" (../../http://www.fuzo-archiv.at/?id=96296v2) ~
