TA-Aktie wieder in Turbulenzen
Die Telekom Austria gehört 2002 nach einer insgesamt erfreulichen Entwicklung im letzten Jahr und zu Jahresbeginn wieder zu den großen Verlierern an der Wiener Börse.
Gedrückt vom allgemeinen schlechten Umfeld für Telekom-Werte und zusätzlich belastet durch ein bevorstehendes Secondary Public Offering [SPO] könnte die Aktie durchaus noch weiter fallen, meinen Analysten.
Allein seit die Telekom Austria angekündigt hat, dass die Telecom Italia noch 2002 bis zu 15 Prozent oder 75 Millionen Stück Aktien über die Börse verkaufen kann, hat die Aktie rund zehn Prozent verloren.
Die TA-Aktie war im November 2000 zu neun Euro ausgegeben worden und war bis auf ein Tief von 5,35 Euro im Februar 2001 gefallen. Dazu beigetragen hatte eine letztlich unnötige Gewinnwarnung. 2001 hatte die TA aber dennoch zu den Top-Performern der Börse Wien gezählt. Gleich nach der Ankündigung der Italiener, sich aus Österreich zurückzuziehen, haben Übernahmespekulationen der Aktie zu einem Anstieg von 55 Prozent auf knapp über neun Euro verholfen.
Schwarzer Freitag für Telekom-AktienNeues Jahrestief
Die TA-Aktie liegt seit Jahresbeginn 14 Prozent im Minus, während der ATX 9,4 Prozent im Plus steht. Der Eurostoxx Telecom Index hat seit Jahresbeginn allerdings 40 Prozent verloren.
Im heutigen Handel ist die TA auf ein neues Jahrestief von 7,93 Euro gefallen.
Noch am 6. Juni, dem Tag vor der Ankündigung des SPO durch die TI, war TA bei 8,80 Euro gelegen, und noch Ende Mai war die Aktie bei 9,33 angeschrieben worden, nachdem der österreichische Marktführer ein deutlich besseres Ergebnis zum ersten Quartal vorgelegt hatte.
Am 7. Juni haben Telecom Italia und die TI das Szenario für den Ausstieg der Italiener aus Österreich fixiert. Die TA hat um insgesamt 690 Millionen Euro die TI aus der Mobilkom Austria AG ausgekauft. Die TI darf im zweiten Halbjahr bis zu 75 Millionen TA-Aktien verkaufen. Insgesamt hält die TI 29,8 Prozent an der TA, was 149 Millionen Aktien entspricht. Welche Strategie die TI für das SPO hat, ist offen. Manche Investoren meinen, dass die TI ungeachtet des fallenden Aktienkurses verkaufen wolle, um ihre hohen Schulden zu bedienen.
Telecom Italia startet Österreich-RückzugAbbildungsschwierigkeiten
Es sei schwer zu sagen, wo sich der Preis einpendeln werde, sagte Konrad Sveceny von der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Durch das mögliche Angebot von Aktien aus dem Bestand der TI würde der "faire Wert" an der Börse nicht mehr abgebildet.
Die Telekom Austria sei aber, sagte Sveceny, ein solides Unternehmen. Die Restrukturierung im Festnetzbereich und das Wachstum des Mobilfunkgeschäft im Ausland führe zu steigenden Erträgen: "Aus fundamentaler Sicht scheinen die jüngsten Verkäufe nicht gerechtfertigt", sagte Sveceny.
Das Umfeld für die Telekom-Branche sei aber generell schlecht. Und Investoren könnten auch verkaufen, in der Hoffnung, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurückkaufen zu können.
Das Niveau von acht Euro für die TA-Aktie wird von den meisten Analysten als billig eingestuft. Das Aufwärtspotenzial ist aber wegen des Umfeldes und den anstehenden Verkäufen aber auch sehr limitiert.
Suche nach dem Boden
"Es ist schwer zu sagen, wo der Boden für die TA-Aktie ist", sagte ein Londoner Analyst. "Aber er könnte auf ein Niveau fallen, das tief genug ist, dass die Finanzinvestoren wieder interessiert sind", sagte er. Die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG), die mit 47,8 Prozent größter Aktionär der TA ist, hat keine Präferenz für den Verkauf an Finanzinvestoren, heißt es in eingeweihten Kreisen. Die ÖIAG selbst hat sich nur darauf festgelegt, nicht unter neun Euro zu verkaufen.
