19.06.2002

BERG UND TAL

Bildquelle: TA

TA-Aktie wieder in Turbulenzen

Die Telekom Austria gehört 2002 nach einer insgesamt erfreulichen Entwicklung im letzten Jahr und zu Jahresbeginn wieder zu den großen Verlierern an der Wiener Börse.

Gedrückt vom allgemeinen schlechten Umfeld für Telekom-Werte und zusätzlich belastet durch ein bevorstehendes Secondary Public Offering [SPO] könnte die Aktie durchaus noch weiter fallen, meinen Analysten.

Allein seit die Telekom Austria angekündigt hat, dass die Telecom Italia noch 2002 bis zu 15 Prozent oder 75 Millionen Stück Aktien über die Börse verkaufen kann, hat die Aktie rund zehn Prozent verloren.

Neues Jahrestief

Die TA-Aktie liegt seit Jahresbeginn 14 Prozent im Minus, während der ATX 9,4 Prozent im Plus steht. Der Eurostoxx Telecom Index hat seit Jahresbeginn allerdings 40 Prozent verloren.

Im heutigen Handel ist die TA auf ein neues Jahrestief von 7,93 Euro gefallen.

Noch am 6. Juni, dem Tag vor der Ankündigung des SPO durch die TI, war TA bei 8,80 Euro gelegen, und noch Ende Mai war die Aktie bei 9,33 angeschrieben worden, nachdem der österreichische Marktführer ein deutlich besseres Ergebnis zum ersten Quartal vorgelegt hatte.

Abbildungsschwierigkeiten

Es sei schwer zu sagen, wo sich der Preis einpendeln werde, sagte Konrad Sveceny von der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Durch das mögliche Angebot von Aktien aus dem Bestand der TI würde der "faire Wert" an der Börse nicht mehr abgebildet.

Die Telekom Austria sei aber, sagte Sveceny, ein solides Unternehmen. Die Restrukturierung im Festnetzbereich und das Wachstum des Mobilfunkgeschäft im Ausland führe zu steigenden Erträgen: "Aus fundamentaler Sicht scheinen die jüngsten Verkäufe nicht gerechtfertigt", sagte Sveceny.

Das Umfeld für die Telekom-Branche sei aber generell schlecht. Und Investoren könnten auch verkaufen, in der Hoffnung, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurückkaufen zu können.

Das Niveau von acht Euro für die TA-Aktie wird von den meisten Analysten als billig eingestuft. Das Aufwärtspotenzial ist aber wegen des Umfeldes und den anstehenden Verkäufen aber auch sehr limitiert.

Suche nach dem Boden

"Es ist schwer zu sagen, wo der Boden für die TA-Aktie ist", sagte ein Londoner Analyst. "Aber er könnte auf ein Niveau fallen, das tief genug ist, dass die Finanzinvestoren wieder interessiert sind", sagte er. Die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG), die mit 47,8 Prozent größter Aktionär der TA ist, hat keine Präferenz für den Verkauf an Finanzinvestoren, heißt es in eingeweihten Kreisen. Die ÖIAG selbst hat sich nur darauf festgelegt, nicht unter neun Euro zu verkaufen.