17.06.2002

LANDMARK

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US-Streit um digitale Videorecorder

Filmen und Fernsehserien droht das gleiche Schicksal wie Musikstücken: Sie werden kopiert und dann online rund um die Welt verbreitet, ohne dass die Besitzer der Urheberrechte einen Cent verdienen.

Das ist die Horrorvision der Hollywood-Studios. Sie wollen sich schützen und unterstützen deshalb Politiker, die den Herstellern von Computern oder CD-Playern den Einbau von Kopierschutz vorschreiben wollen.

Gegen den Vorstoß der Studios regt sich nun an mehreren Fronten heftiger Widerstand.

CDs oder DVDs nur mit Wasserzeichen

CDs oder DVDs sollen mit einem digitalen Wasserzeichen verkauft werden, und auf dem Markt sollen ausschließlich Geräte erhältlich sein, die diese Wasserzeichen entziffern können und entsprechenden Kopierschutz gewährleisten.

"Anti-Piraterie-Maßnahmen sind Eigentore, wenn sie die Nützlichkeit von Technologie einschränken oder die Benutzer belasten." Mit dieser Stellungnahme greift der Software-Konzern Microsoft nun in die Debatte ein.

Die Nutzung der digitalen Wasserzeichen sei möglicherweise eine "Verletzung der Benutzer-Privatsphäre", und außerdem würde die Bearbeitung der Daten verlangsamt.

PVR-Nutzer als Diebe

Sauer sind User mit digitalem Videorecorder. Jamie Kellner, Chef von Turner Broadcasting, hatte im Interview mit dem Fachmagazin "CableWorld" eine Anschuldigung geäußert, als er ein besonders populäres technisches Detail der Personal Video Recorder [PVRs] kritisierte: Die Möglichkeit, per Knopfdruck einen Werbeblock mitten im aufgezeichneten Programm zu überspringen.

"Jedes Mal, wenn Sie einen Werbespot überspringen, stehlen Sie ein Programm", sagte Kellner. Weil das private Fernsehen sich durch Werbeeinnahmen finanziert, sei die Löschfunktion der PVRs eine große Gefahr für den Bestand der Sender, argumentiert Kellner.

Seinen Diebstahl-Vorwurf wollen die Nutzer der Recorder aber nicht auf sich sitzen lassen. Einige Besitzer dieser Maschinen reichten jetzt vor einem Bundesgericht in Los Angeles eine Klage gegen die 27 größten Studios ein. Die Kläger wollen einen Richter zu einem Grundsatzurteil bewegen: Es soll ausdrücklich festgelegt werden, dass die PVR-Nutzung, von der digitalen Aufzeichnung bis hin zum Löschen der Reklame, völlig legal ist.

Der Urheberrechtsstreit um digitale Medien hat bereits zu einer erheblichen Verzögerung bei der Verbreitung des digitalen Fernsehens geführt. Vom breiten Publikum wird es in den USA auch deshalb nicht akzeptiert, weil man digital vorläufig keine Hollywood-Hits ausstrahlt.

Das Recht auf Fair Use

Die Studios wollen erst nachgeben, wenn feststeht, dass alle digitalen Sendungen mit einem Kopierschutz versehen werden. Ein solcher Schutz verstößt aber nach Meinung von empörten Verbraucherschützern gegen ein wichtiges Prinzip im US-Urheberrecht: Die so genannte "fair use"-Regel. Sie gestattet, was auch hier zu Lande als normales Nutzungsrecht gilt: die Herstellung von legalen Kopien zu persönlichen, nichtkommerziellen Zwecken.