Liebe aus dem Netz keine Ausnahme mehr
Beziehungen, die durch Erstkontakt im Netz zu Stande kommen, werden von Psychologen immer weniger kritisiert.
Wissenschaftler bekommen langsam ein positiveres Bild von Freundschaft und Liebe aus dem Netz. Lange Zeit war bei Psychologen gängige Meinung, zu viel Kommunikation via Internet führe zu Vereinsamung.
"Man nimmt sich im Chat viel mehr Zeit, gegenseitig herauszufinden, ob man wirklich miteinander zurechtkommt, bevor man sich zum ersten Mal trifft", fasst es ein User zusammen.
14 Prozent haben Partner online gefunden
31 Prozent der deutschen Internet-Benutzer halten nach einer
Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung [GfK] das Internet
für den geeigneten Ort zum Kennenlernen. Rund 14 Prozent haben auf
diesem Weg ihren Traumpartner gefunden. Das Internet rangiert als
Flirt-Ort inzwischen bei vielen vor Lokalen und Discotheken.
Liebeskontrolle mit dem HandyInternet als "soziales Lernfeld"
Für die Kommunikationswissenschaftlerin Nicola Döring, Autorin des Buches "Sozialpsychologie des Internets" und Professorin an der Technischen Universität im thüringischen Ilmenau, stellt das Internet ein "soziales Lernfeld" dar. Im zunächst anonymen Chat könnten Menschen im Alltag oft verborgene Qualitäten ausspielen oder geheime Wünsche und Fantasien ausdrücken. "Diese kennen zu lernen und zu ihnen zu stehen, kann der eigenen Selbstentwicklung dienen."
Positive Erfahrungen im Netz könnten zudem dazu führen, dass man außerhalb der Cyber-Welt mutiger und offener auf andere Menschen zugehe. "Die virtuelle Identität ist also keine Scheinidentität, sondern eine weitere Facette des realen Menschen."
Haltbare Beziehungen
Der britische Psychologe Jeff Gavin hat herausgefunden, dass im Internet begonnene Beziehungen "mindestens so haltbar, wenn nicht gar haltbarer als traditionell begonnene" sind. In Chaträumen gingen Männer oft offener mit ihren Gefühlen um als in der Realität, Frauen hingegen falle es leichter, über sexuelle Fantasien zu sprechen. Er befragte für seine Studie 42 regelmäßige Chatraum-Nutzer im Alter von 17 bis 28 Jahren. Die Hälfte von ihnen hatte über einen Kontakt im Chat eine langfristige Liebesbeziehung aufgebaut.
Für viele erste Beziehung überhaupt
Zudem befragte Gavin 300 australische Schüler im Alter von 17 und 18 Jahren. Diese Umfrage ergab, dass die Hälfte von ihnen ihre erste wirkliche Liebesbeziehung zu jemandem hatten, den sie online kennen gelernt hatten. Der Forscher ist der Meinung, dass die Anonymität des Netzes es den Kontakt Suchenden erlaube, von Anfang an offener über Persönliches zu reden.
