Polens Fahnder hilflos gegen Raubkopien
Im größten Freiluftmarkt Polens, dem "Jarmark Europa" in Warschau, blüht der Handel mit raubkopierten Medien.
Tausende illegal kopierte CDs, DVDs, Computerprogramme und Videos wechseln hier täglich den Besitzer. Wer die Menschenmassen sieht, die sich täglich um die schäbigen Stände drängen, ahnt die Lukrativität des verbotenen Geschäfts.
Die CDs werden in Russland oder in einer anderen ehemaligen Sowjetrepublik gepresst. Ein großer Teil landet auf dem Warschauer Markt in einem ehemaligen Sportstadion. Auch CDs mit Kopierschutz, wie das neue Album von Celine Dion, werden ohne Schutz gepresst und verkauft. Zehn Zloty, umgerechnet 2,5 Euro, kostet hier eine CD.
50 Mio. Euro weniger Steuern
Phonoverbänden und Produzenten ist die illegale Konkurrenz seit
langem ein Dorn im Auge. Immer wieder wurde Druck auf Polen
ausgeübt, um ein schärferes Vorgehen zu erzwingen. Pop- und
Rockstars zeigten wegen der Verstöße gegen das Urheberrecht
Konzertveranstaltern in Polen zeitweise die kalte Schulter.
Schätzungen zufolge beträgt der "Marktanteil" illegaler
Computerprogramme in Polen 60 Prozent und ist damit doppelt so hoch
wie im EU-Durchschnitt. Dem polnischen Fiskus entgehen durch die
"Piratenprodukte" schätzungsweise bis zu 50 Millionen Euro jährlich.
Wirtschaft sieht Anstieg von RaubkopienGesetze wurden verschärft
Tatsächlich sind vor einigen Jahren die Gesetze in Polen verschärft worden. Auch der Besitz von Raubkopien ist danach strafbar. Immer wieder gibt es Razzien im Warschauer Stadion und ähnlichen Märkten, doch Bestechung ist weit verbreitet.
Pech für die Händler, wenn statt der vertrauten Freunde und Helfer Beamte des nach dem Vorbild des FBI gegründeten "Zentralen Ermittlungsbüros" unterstützt von Zoll und Ausländerbehörde, auf den Märkten auftauchen. Dann bleibt meist nur der hastige Rückzug. Die illegale Ware wird beschlagnahmt und mit einem von der Armee geliehenen Panzer zermalmt. Selten aber wird ein Händler mit Raubkopien ertappt, Festnahmen sind entsprechen selten.
